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1.500 Meter unter dem Meer: Forscher entdecken 100.000 Riesen-Eier auf aktivem Vulkan

1.500 Meter unter dem Meer: Forscher entdecken 100.000 Riesen-Eier auf aktivem Vulkan Aktuelle News

1.500 Meter unter dem Meer: Forscher entdecken 100.000 Riesen-Eier auf aktivem Vulkan

Ein gewaltiger Unterwasservulkan vor Vancouver Island galt in wissenschaftlichen Karten lange als komplett erloschen. Bei Tauchgängen stießen Meeresbiologen jedoch auf aktive Hydrothermalquellen – und eine der spektakulärsten Kinderstuben der Tiefsee.

Rund 1.500 Meter unter der Wasseroberfläche entdeckte das Team um die Biologin Cherisse Du Preez ein Feld aus schätzungsweise 100.000 riesigen Eikapseln. Die Gebilde messen jeweils 45 bis 50 Zentimeter in der Breite und bedecken den dicht mit Korallen bewachsenen Vulkangipfel.

Vier Jahre Entwicklungszeit im Eiswasser

Die Kapseln stammen vom Pazifischen Weißrochen (Bathyraja spinosissima), einer Art, die bis zu zwei Meter lang wird und Tiefen von bis zu 2.900 Metern bewohnt. In den eisigen Temperaturen des Meeresbodens läuft der Stoffwechsel extrem langsam ab.

Ohne zusätzliche Wärmequelle benötigen die Embryonen bis zu vier Jahre bis zum Schlupf. Während dieser langen Phase sind die Kapseln Fressfeinden, Strömungen und Schlammablagerungen schutzlos ausgesetzt.

Geothermische Brutstation verkürzt die Reifezeit

Die Tiere nutzen die vulkanische Aktivität gezielt als natürlichen Brutkasten. Aus Spalten im Fels strömt mineralreiches, spürbar erwärmtes Wasser, das die Umgebungstemperatur deutlich anhebt.

Dass Rochen geothermische Energie zur Nachwuchspflege einsetzen, belegte bereits eine Untersuchung im Galápagos-Archipel im Fachjournal Scientific Reports. Dort lagen fast 90 Prozent der dokumentierten Eier in unmittelbarer Nähe heißer Tiefseeschlote – teils nur einen Meter von sogenannten Schwarzen Rauchern entfernt.

Bei einer Expedition im Jahr 2023 gelang den Forschern vor Kanada zudem die weltweit erste Filmaufnahme eines Weibchens, das direkt am Vulkanhang eine neue Kapsel ablegte.

Gefahr durch Schleppnetze und Tiefseebergbau

Nach dem Schlupf verlassen die Jungtiere das Areal nicht sofort. Der geschützte Korallengarten auf der Kuppe des rund 1.100 Meter hohen Seebergs bietet ihnen zunächst ausreichend Nahrung und Deckung vor Fressfeinden.

Weil einige der gefundenen Hüllen abweichende Formen aufweisen, gehen Wissenschaftler davon aus, dass noch weitere Tiefseearten denselben Vulkan zum Ablaichen aufsuchen. Genetische Analysen der Kapseln laufen derzeit.

Aufgrund der extrem langsamen Fortpflanzungszyklen fordern die beteiligten Biologen ein striktes Schutzgebiet für das Areal. Industrielle Eingriffe wie Grundschleppnetzfischerei oder potenzieller Tiefseebergbau würden die lokalen Bestände unwiderruflich zerstören.