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10 Jahre im Schuldienst: Ex-Lehrerin Gina Waibel rechnet mit Bildungssystem ab

Schüler bei einer Veranstaltung Aktuelle News

Schüler bei einer Veranstaltung im schulischen Rahmen.

Nach zehn Jahren an einer baden-württembergischen Gemeinschaftsschule zog Gina Waibel im Jahr 2025 einen Schlussstrich. Die Pädagogin verließ den regulären Schuldienst, um als Bildungsreferentin und Online-Aktivistin zu arbeiten.

Unter dem Namen „frau_waibel“ erreicht die 1989 geborene Autorin auf Instagram mehr als 130.000 Menschen. Mit ihrem Buch „Schule, aber stabil“ legt sie eine schonungslose Bestandsaufnahme des deutschen Schulsystems vor.

Schüler bei einer Veranstaltung
Schüler bei einer schulischen Veranstaltung.

Chancenungleichheit durch formale Gleichbehandlung

Waibels zentraler Kritikpunkt setzt bei einem scheinbar fairen Prinzip an: der formalen Gleichbehandlung aller Kinder. Da Schülerinnen und Schüler jedoch mit völlig unterschiedlichen Startbedingungen ins Klassenzimmer kommen, verstärke dieses Vorgehen bestehende Ungleichheiten.

Kinder aus Familien ohne Migrations- oder Fluchtgeschichte und ohne sprachliche Hürden profitieren laut Waibel enorm von Eltern, die schulische Strukturen instinktiv verstehen. Wer diesen familiären Hintergrund nicht mitbringt, bleibe strukturell benachteiligt.

Das Neutralitätsgebot im Visier rechter Akteure

Ein wesentlicher Teil ihrer Arbeit widmet sich dem staatlichen Neutralitätsgebot für Lehrkräfte. Waibel betont, dass dieser Grundsatz von Parteien wie der AfD und anderen rechten Akteuren gezielt instrumentalisiert werde, um Schulpersonal einzuschüchtern.

Neutralität bedeute keineswegs Schweigen bei Diskriminierung. Zwar sei parteipolitische Neutralität vorgeschrieben, die Bindung an die freiheitlich-demokratische Grundordnung verlange jedoch eine klare Haltung gegen Rassismus und Menschenfeindlichkeit.

10 Jahre im Schuldienst: Ex-Lehrerin Gina Waibel rechnet mit Bildungssystem ab

Lehrkräfte als Gatekeeper im System

Im Schulalltag fungieren Pädagoginnen und Pädagogen als zentrale Weichensteller für Bildungswege und Zukunftsperspektiven. Waibel fordert deshalb eine tiefgreifende Reform der Lehrkräftebildung.

Diversitätssensible und rassismuskritische Ansätze dürften keine freiwillige Option bleiben, sondern müssten verpflichtender Bestandteil des Studiums sowie bestehender Fortbildungen werden, um den Anforderungen heterogener Klassen gerecht zu werden.

Viraler Protest und Widmung an Friedrich Merz

Bundesweite Aufmerksamkeit erlangte Waibel bereits 2023 durch eine Video-Reaktion auf Äußerungen von Friedrich Merz. Der CDU-Politiker hatte Schüler mit Migrationsgeschichte in einer Talkshow als „kleine Paschas“ bezeichnet.

Gemeinsam mit ihren Jugendlichen veröffentlichte Waibel damals einen TikTok-Clip, der den respektvollen Umgang im Schulalltag zeigte und millionenfach geklickt wurde. Ihr aktuelles Buch widmete sie demonstrativ Merz.

Ihr Engagement sorgt regelmäßig für Kontroversen. Kritiker werfen der Autorin vor, Grenzen zum politischen Aktivismus zu überschreiten und pauschale Vorwürfe gegen das Kollegium zu erheben. Zuletzt entfachte Waibel eine Debatte über Rassismus in älteren Kinderbüchern, als sie die Verwendung des „N-Worts“ in Christine Nöstlingers Werk „Wir pfeifen auf den Gurkenkönig“ anprangerte und den Einsatz des Buchs im Unterricht hinterfragte.