11. September 2001 um 15 Uhr: Warum die Tagesschau zuerst über Rudolf Scharping berichtete
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11. September 2001 um 15 Uhr: Warum die Tagesschau zuerst über Rudolf Scharping berichtete
Als am 11. September 2001 um 15:00 Uhr deutscher Zeit die Nachrichtensendungen starteten, veränderte sich die Weltpolitik in Minutenschnelle. Etwa zwanzig Minuten zuvor war das erste Flugzeug in den Nordturm des World Trade Centers in New York gesteuert worden.
Feuerwehrleute durchsuchen die Trümmer am World Trade Center in New York.
Während Radiosender wie SWR1 und SWR3 die Ereignisse in Manhattan sofort als Eilmeldung an die erste Position ihrer Sendungen setzten, bot das deutsche Fernsehen in diesem Moment ein anderes Bild.
Verteidigungskrise verdrängt zunächst die Anschläge
In der 15-Uhr-Ausgabe der ARD-Tagesschau war New York nicht die Spitzenmeldung. Die ersten vier Minuten der Sendung widmeten sich vollständig der politischen Krise um den damaligen Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping.
Scharping stand zu diesem Zeitpunkt massiv unter Druck, in Berlin galt ein Rücktritt nur noch als Frage von wenigen Tagen. Erst nach diesem ausführlichen Bericht wandte sich die Sendung den Vorfällen in den USA zu.
US-Präsident George W. Bush wird in einer Schule in Florida über die Anschläge informiert.
Zu Beginn des zweiten Beitrags war das gesamte Ausmaß des Angriffs noch unklar. Dass inzwischen ein zweites Flugzeug in den Südturm geflogen war, sickerte erst schrittweise in die Redaktionen durch.
Die Live-Schalte um 15:10 Uhr ändert alles
Zehn Minuten nach Sendebeginn folgte in der laufenden Tagesschau eine Live-Schalte zum damaligen US-Korrespondenten Claus Kleber. Erst in diesem Moment wurde das gesamte Bild der koordinierten Terroranschläge greifbar.
Die Debatte um Rudolf Scharping, die noch Minuten zuvor die deutsche Nachrichtenagenda beherrschte, verschwand daraufhin schlagartig aus den Schlagzeilen.


