12 Gigawatt mehr Windkraft bis 2030: Vestas-Chef warnt vor neuer Energiekrise
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Vestas-Chef Henrik Andersen fordert ein höheres Tempo beim Ausbau der europäischen Windkraft.
Henrik Andersen, Chef des dänischen Windkraftanlagenbauers Vestas, warnt vor einer Energiekrise „einer ganz neuen Dimension“. Auslöser dafür seien die geopolitischen Eskalationen im Nahen Osten und die Lage rund um den Iran.
Nach Andersens Einschätzung unterschätzt Europa das Risiko, wie schnell und drastisch fossile Brennstoffe erneut knapp und teuer werden können.
Europas anhaltende Abhängigkeit von Energieimporten
Die Europäische Union hat aus der Gaskrise infolge des Ukrainekriegs nach Ansicht von Andersen zu wenig gelernt. Die EU-Mitgliedsstaaten importieren weiterhin fast die gleiche Menge an Energie aus Drittstaaten wie vor dem Konflikt.
Diese anhaltende Importquote mache den Kontinent anfällig für Preisschocks, politische Erpressbarkeit und Versorgungsengpässe. Sollte sich die Lage verschärfen, seien im Ernstfall sogar Rationierungen denkbar.
Deutschlands Ausbaupläne und Rolle
Die Lage in Deutschland bewertet der Vestas-Chef im europäischen Vergleich differenzierter. Zwar sei der Atomausstieg ohne einen direkt verfügbaren Ersatzplan ein strategischer Fehler gewesen, beim Ausbau der erneuerbaren Energien und der Planung neuer Gaskraftwerke sei das Land jedoch weiter als viele Nachbarn.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche kündigte an, die Windenergie an Land bis 2030 um bis zu zwölf Gigawatt zusätzlich auszubauen.

Forderung nach einem EU-Energiemanager
Um bürokratische Verzögerungen zu stoppen, schlägt Andersen die Einsetzung eines EU-Energiemanagers vor. Diese zentrale Instanz soll den Ausbau erneuerbarer Kapazitäten koordinieren, monatliche Fortschrittskontrollen durchführen und die Beschlüsse der Mitgliedsstaaten beschleunigen.
Bislang vergehen oft Jahre, bis EU-Richtlinien in den 27 Einzelstaaten in nationales Recht umgesetzt werden. Andersen fordert einen Modus, der an das Vorgehen bei der Impfstoffentwicklung während der Corona-Pandemie angelehnt ist, um Planungs- und Genehmigungszeiten radikal zu verkürzen.
Netzausbau als Hebel gegen Strompreise
Andersen weist Bedenken zurück, dass europäische Stromnetze primär vor einem Überangebot erneuerbarer Energien geschützt werden müssten. Die Senkung der Strompreise lasse sich nur durch ein höheres Tempo bei Windkraft und Netzinfrastruktur absichern.
Fossile Energieträger bleiben an globale Krisenherde und Lieferketten gebunden. Ein beschleunigter Netzausbau in Kombination mit einem verlässlichen Erneuerbare-Energien-Gesetz soll Verbraucher und Industrie vor den finanziellen Folgen geopolitischer Konflikte absichern.
