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125 Punkte Kluft durch Herkunft: Was Deutschland nach dem Pisa-Tief von Kanada lernen muss

125 Punkte Kluft durch Herkunft: Was Deutschland nach dem Pisa-Tief von Kanada lernen muss Aktuelle News

125 Punkte Kluft durch Herkunft: Was Deutschland nach dem Pisa-Tief von Kanada lernen muss

Die aktuellen Ergebnisse der Pisa-Studie markieren einen historischen Tiefstand für das deutsche Bildungssystem. Die Leistungen der Schülerinnen und Schüler nähern sich zunehmend dem Durchschnitt der 91 teilnehmenden OECD-Staaten an.

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Schülerinnen und Schüler in einem Klassenraum während des Unterrichts.

Trotz der ernüchternden Zahlen warnt Dirk Zorn, Bildungsdirektor bei der Bertelsmann-Stiftung, vor reinem Alarmismus. Die Gesamtleistungen seien zwar über die Jahre hinweg gesunken, das Kernproblem liege jedoch tiefer im System verankert.

Soziale Herkunft bestimmt den Schulerfolg: Der Kanada-Vergleich

Besonders gravierend bleibt die Kopplung zwischen Herkunft und Bildungserfolg. In Deutschland erklärt der sozioökonomische Hintergrund 19 Prozent der Leistungsunterschiede in den Naturwissenschaften.

Im OECD-Durchschnitt liegt dieser Wert bei zwölf Prozent, während Kanada lediglich sechs Prozent verzeichnet. Nur in Luxemburg und der Slowakei fallen die herkunftsbedingten Diskrepanzen ähnlich drastisch aus wie in Deutschland.

Zwischen privilegierten und benachteiligten Jugendlichen klafft hierzulande eine Lücke von 125 Punkten. Zudem weisen kanadische Schulen praktisch keine Leistungsunterschiede zwischen zugewanderten und einheimischen Jugendlichen auf – im Gegensatz zu Deutschland.

Konsequente Förderung statt befristeter Einzelprojekte

Die Ansatzpunkte für Reformen sind laut Zorn seit Jahren bekannt. Notwendig sei die frühzeitige und systematische Stärkung von Basiskompetenzen in Sprache, Mathematik sowie im Sozialverhalten.

Schulen in schwierigen Lagen benötigen gezielte Unterstützung und Lehrkräfte praxisnahe Beratungsinstrumente. Aus jeder Diagnose müsse zwingend eine konkrete Förderung für das einzelne Kind folgen.

Um Maßnahmen zielgenau zu steuern, fordert Zorn eine bundesweite Bildungsverlaufsstatistik. Bislang reagiere die Politik zu häufig mit zeitlich befristeten Sonderprogrammen statt mit langfristig verlässlichen Strukturen.

21 Billionen Euro Wohlstandspotenzial durch Bildungsreformen

Dass gezielte Investitionen messbare volkswirtschaftliche Erträge bringen, belegt eine Berechnung des Ifo-Instituts für die Bertelsmann-Stiftung. Die vollständige Umsetzung des Reformkonzepts „Bessere Bildung 2035“ könnte Deutschland über einen Zeitraum von 80 Jahren einen zusätzlichen Wohlstand von 21 Billionen Euro sichern.

Bundesbildungsministerin Karin Prien bezeichnete die Testergebnisse als besorgniserregenden Befund, der angesichts vorheriger Studien jedoch nicht überraschend komme.

Bildungsexperte Zorn mahnt, die Ergebnisse nicht für kurzfristige Profilierung zu nutzen, sondern Wandlungsfähigkeit zu einer festen Eigenschaft der Schulverwaltung und Ministerien zu machen.