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1,3 Milliarden Euro Schulden: Warum die Türkei trotzdem Weltstars wie Salah und Sané holt

Leroy Sané im Trikot von Galatasaray Istanbul Aktuelle News

Internationale Topstars zieht es trotz hoher Verbindlichkeiten der Vereine in die türkische Süper Lig.

Mit Rafael Leao wechselt der nächste namhafte Profi aus den europäischen Topligen in die türkische Süper Lig. Galatasaray sicherte sich die Dienste des Portugiesen vom AC Milan – nachdem der Klub bereits Akteure wie Leroy Sané, Ilkay Gündogan und Victor Osimhen verpflichtet hatte.

Die Konkurrenz steht dem kaum nach. Fenerbahce rüstete mit Spielern wie Ederson, Nelson Semedo, N’Golo Kanté, Marco Asensio, Mason Greenwood und Romelu Lukaku auf. Besiktas holte unter anderem Alexander Nübel, Salih Özcan, Leandro Trossard und Dusan Vlahovic, während Trabzonspor mit Mohamed Salah vom FC Liverpool für Aufsehen sorgte.

Schuldenberg von 1,3 Milliarden Euro und staatliche Nähe

Die Transferoffensive steht in scharfem Kontrast zur ökonomischen Lage. Die drei Istanbuler Schwergewichte Galatasaray, Fenerbahce und Besiktas häuften bis 2026 gemeinsam Verbindlichkeiten von rund 1,3 Milliarden Euro an, während das Land mit hoher Inflation kämpft.

Branchenkenner verweisen auf die Trennung zwischen Staatshaushalt und den Vereinsstrukturen, die als private Wirtschaftsunternehmen agieren. Doch die Nähe zur Politik bleibt ein zentraler Faktor. Soziologie-Professor Ahmet Talimciler von der Bakircay-Universität in Izmir betont, dass Großklubs seit Jahren eng mit staatlichen Stellen kooperieren und regelmäßige Schuldenerlasse oder Umschuldungen das finanzielle Risiko für neue Star-Einkäufe abfedern.

Sportökonom Tugrul Aksar sieht darin ein Abhängigkeitsverhältnis: Hohe Schulden sichern die Konformität der Vereine mit der Regierungspolitik. Gleichzeitig beruhigen spektakuläre Verpflichtungen die einflussreichen Fanlager in den Stadien.

Ablenkung durch Transfer-Spektakel

Beobachter werten die massiven Investitionen auch als gesellschaftliches Ventil. Wenn Stars die Schlagzeilen beherrschen, rücken wirtschaftliche Alltagssorgen der Bevölkerung in den Hintergrund.

Türkisch heißblütig: Fenerbahcen-Fans im Stadion
Fenerbahce-Fans im Stadion

Fußball erfüllt in der Türkei eine immense Identifikationsfunktion. Selbst Menschen mit geringem Einkommen verfolgen den Transfermarkt intensiv, was Klubs als Hebel für mediale Präsenz und Relevanz nutzen.

Immobiliendeals, Kapitalerhöhungen und Nettogehälter

Um die Transfers zu stemmen, greifen die börsennotierten Klubs auf mehrere Finanzierungsquellen zurück. Dazu gehören Kapitalerhöhungen an der Börse, Bankkredite und das private Vermögen einflussreicher Klubchefs wie Fenerbahce-Präsident Ali Koc.

1,3 Milliarden Euro Schulden: Warum die Türkei trotzdem Weltstars wie Salah und Sané holt

Zudem setzen die Klubs auf milliardenschwere Immobilienprojekte. Galatasaray entwickelt das ehemalige Trainingsareal Florya, Besiktas verfolgt ähnliche Bauvorhaben im Stadtteil Dikilitas. Hinzu kommen ausverkaufte Logen, Dauerkartenrekorde und steigende Sponsorengelder.

Alexander Nübel im Besiktas-Tor
Alexander Nübel im Besiktas-Tor

Ein wichtiges Argument bei Verhandlungen sind Nettogehälter, bei denen der Verein die kompletten Steuerabgaben übernimmt. Da Einnahmen meist in Lira fließen, Verträge jedoch in Euro oder Dollar fixiert sind, bleibt das Währungsrisiko immens. Das Gerücht monatelang ausbleibender Zahlungen weisen Vereinsvertreter jedoch zurück, da Profis ihre Verträge nach drei Monaten Zahlungsverzug einseitig auflösen können.

Auch die verschärften UEFA-Regularien zur Kostenkontrolle setzen Grenzen. Fenerbahce musste wegen überhöhter Kaderkosten bereits Sanktionen hinnehmen.

Sportlicher Wettbewerb statt Saudi-Arabien

Im Gegensatz zu Saudi-Arabien fehlen den türkischen Klubs staatliche Öl-Milliarden. Dennoch punktet die Süper Lig bei Spielern im besten oder leicht fortgeschrittenen Fußballeralter, die den Schritt in die Wüste meiden.

Leroy Sané im Trikot von Galatasaray
Leroy Sané im Trikot von Galatasaray

Die Süper Lig bietet im Vergleich zur Saudi Pro League ein deutlich kompetitiveres Umfeld sowie garantierte Europapokal-Teilnahmen. Fenerbahce kehrte nach 18 Jahren in die Champions League zurück, Galatasaray misst sich mit Vereinen wie dem FC Barcelona oder dem VfB Stuttgart, und Besiktas tritt in der Europa League unter anderem gegen Bayer Leverkusen an.

Moderne Stadien, das Standing der Metropole Istanbul und Gehälter oberhalb des europäischen Durchschnitts machen die Liga für gestandene Profis attraktiv. Offen bleibt, wie viele Spielzeiten die Vereine diesen finanziellen Balanceakt bei fortlaufend hoher Verschuldung noch aufrechterhalten können.