Zum Inhalt springen
On Air Festival

148-Meter-Turm in Rudong: Neuer Schwerkraft-Speicher liefert 100 Megawattstunden ohne Lithium

Hubspeicher Turm in Rudong Aktuelle News

Der 148 Meter hohe Schwerkraft-Speicher im chinesischen Rudong nutzt schwere Massen zur Stromspeicherung.

In der chinesischen Stadt Rudong ist ein großformatiger Netzspeicher in Betrieb, der komplett ohne Lithium-Ionen-Zellen arbeitet. Die Anlage nutzt das Prinzip der Schwerkraft zur Speicherung von Energie.

Das Konzept ähnelt klassischen Pumpspeicherkraftwerken, setzt jedoch auf feste Massen. Wenn im Stromnetz ein Überschuss vorhanden ist, heben elektrische Seilwinden tonnenschwere Gewichte in einem 148 Meter hohen Turm nach oben. Wird Strom benötigt, sinken die Blöcke wieder ab und treiben dabei Generatoren an.

Rudong Hubspeicher
Der Schwerkraft-Speicherturm in Rudong

Leistung und Wirkungsgrad der Schweizer Technologie

Konstruiert wurde die Anlage von dem Schweizer Unternehmen Energy Vault. Das System besitzt eine Nennleistung von 25 Megawatt und kann über einen Zeitraum von vier Stunden eine Kapazität von insgesamt 100 Megawattstunden in das Netz einspeisen.

Messungen des Herstellers weisen für das System einen Wirkungsgrad von bis zu 83 Prozent aus. Damit bewegt sich der Hubspeicher auf dem Niveau moderner Pumpspeicherwerke, bleibt jedoch hinter herkömmlichen Batteriespeichern zurück, die 85 bis 98 Prozent erreichen.

Die Stärken des Schwerkraft-Prinzips

Unabhängigkeit von Gelände und Wasser

Im Gegensatz zu Pumpspeicherkraftwerken sind Hubspeicher nicht an Gebirgsformationen oder bestehende Wasserressourcen gebunden. Sie lassen sich auch in vollständig flachem Terrain sowie in extrem trockenen Regionen errichten.

148-Meter-Turm in Rudong: Neuer Schwerkraft-Speicher liefert 100 Megawattstunden ohne Lithium

Zudem entfallen großflächige Landschaftseingriffe wie die Flutung von Tälern für Speicherbecken, und Wasserverluste durch Verdunstung spielen keine Rolle.

Kein Verschleiß von Speichermedien

Gegenüber elektrochemischen Batterien weisen feste Hubmassen keine kalendarische Alterung auf. Es gibt keinen Kapazitätsverlust über Ladezyklen hinweg und keine chemische Selbstentladung bei längeren Standzeiten.

Kleines Kraftwerk
Mobiles Speichersystem

Mechanische Belastung als Risikofaktor

Die größte Herausforderung der Technologie liegt in der mechanischen Beanspruchung von Seilen, Winden und Führungen. Bisher fehlen unabhängige Langzeitdaten aus mehrjährigem Dauerbetrieb, um die kalkulierte Betriebsdauer von 35 Jahren zu belegen.

Frühere Versuchsanlagen mit Schwerkraftspeichern in Europa und den USA konnten sich im regulären Netzbetrieb bislang nicht dauerhaft durchsetzen.