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154 Tonnen Eis geschmolzen: Overtourism setzt Alpen und Everest unter Druck

154 Tonnen Eis geschmolzen: Overtourism setzt Alpen und Everest unter Druck Aktuelle News

154 Tonnen Eis geschmolzen: Overtourism setzt Alpen und Everest unter Druck

Eine Zahl vom Mount Everest ließ unlängst aufhorchen: Rund 154 Tonnen Gletschereis sollen durch die Abwärme und flüssigen Abfälle der Bergsteiger im Basislager geschmolzen sein. Die Debatte um menschliche Ausscheidungen und deren Einfluss auf das Tauwetter zeigt ein grundsätzliches Problem der Hochgebirge auf.

Die Überlastung betrifft längst nicht nur den Himalaya, sondern zeigt sich direkt in den europäischen Alpen. Massen an Besuchern bringen fragile Ökosysteme, schwindende Gletscher und bestehende Infrastrukturen an ihre Grenzen.

Vanda Bonardo äußert sich zu den ökologischen Folgen des Massentourismus.

Belastungsgrenzen im Hochgebirge erreicht

Laut der Umweltexpertin Vanda Bonardo gibt es keine pauschale Lösung für alle Regionen. Während strukturschwache Regionen im Apennin von sanftem Tourismus profitieren können, leiden bekannte alpine Hotspots massiv unter Overtourism.

Ein prägnantes Beispiel ist der Fellaria-Gletscher in der Lombardei. Nach einem Zustieg von lediglich 90 Minuten treffe man dort mittlerweile auf Menschenmengen, die eher an einen Badestrand in Rimini erinnern als an hochalpine Natur.

Der Ansturm überfordert Hütten und Ressourcen vor Ort. Berghütten, die für 50 Gäste ausgelegt sind, müssen häufig das Doppelte versorgen, was die Wasseraufbereitung und Müllentsorgung kollabieren lässt.

Berge auf Reservierung?

Bonardo fordert wissenschaftliche Analysen zur tatsächlichen Tragfähigkeit alpiner Regionen. Anhand von Wasserverfügbarkeit, Gletscherschwund und Permafrost-Rückgang müssen exakte Obergrenzen für Besucherströme ermittelt werden.

Daraus folgt die Notwendigkeit von Kontingenten und Voranmeldungen für bestimmte Zonen. Wie bei einem voll besetzten Restaurant gelte auch am Berg: Wenn die Kapazität erschöpft ist, müssen Besucher abgewiesen werden.

Fachleute mahnen verbindliche Obergrenzen für Bergbesucher an.

Müllprobleme und Kulturwandel

Neben dem Wasserverbrauch bleibt der zurückgelassene Abfall ein massives Problem. Bei Säuberungsaktionen am Miage-Gletscher sammeln Helfer regelmäßig Mengen an Taschentüchern und Zigarettenkippen, deren Plastikbestandteile sich im Eis kaum zersetzen.

Die wichtigste Grundregel lautet daher: Jeder Bergsteiger muss ausnahmslos sämtliche Abfälle wieder ins Tal befördern. Was für den Einzelnen banal wirkt, wächst bei tausenden Gästen zu einer gravierenden Umweltbelastung heran.

Die Alpenlandschaft leidet unter Gletscherschwund und wachsendem Nutzungsdruck.

Am Ende verlangt der Schutz der Gebirge einen grundlegenden Mentalitätswandel. Das Hochgebirge ist kein reiner Konsumraum für Urlauber auf der Flucht vor der Sommerhitze, sondern ein sensibler Wasserspeicher und Klimafaktor.