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2 Millionen Kubikmeter Geröll: Warum die Schweizer Alpen jetzt gefährlich ins Rutschen kommen

Riesiger Felsabbruch an einem steilen Berghang in den Schweizer Alpen in Graubünden Aktuelle News

Gewaltige Gesteinsmassen donnern im Kanton Graubünden ins Tal und verändern die Alpenlandschaft für immer.

Ein ohrenbetäubendes Grollen zerreißt die alpine Stille, dichte Staubwolken hüllen ganze Täler ein und Millionen Tonnen Gestein donnern ins Tal. Die dramatischen Bilder aus Graubünden, wo gewaltige Felsstürze wie am Bergdorf Brienz die Welt in Atem hielten, brennen sich ins Gedächtnis ein.

Doch was spektakulär aussieht, ist für Anwohner und Alpen-Urlauber eine reale Gefahr. Die Schweizer Bergwelt verändert sich derzeit in Rekordzeit.

Was passiert gerade an den Steilhängen in Graubünden?

Graubünden ist bekannt für spektakuläre Gipfel, urige Dörfer und berühmte Ferienorte wie St. Moritz oder Davos. Doch tief im Inneren vieler Berge arbeitet es ununterbrochen.

Allein am Hang oberhalb von Brienz/Brinzauls bewegten sich zeitweise riesige Felsformationen mit mehreren Metern pro Tag talwärts. Wenn sich solche Massen lösen, erreichen sie Geschwindigkeiten von über 100 Kilometern pro Stunde.

Die Naturkräfte zermalmen Bäume, verschütten Straßen und verfehlen Gebäude oft nur um wenige Meter.

Warum taut der unsichtbare Klebstoff der Alpen auf?

Der Hauptgrund für die zunehmenden Felsstürze liegt tief im Felsgestein verborgen: der Permafrost. Dieses dauerhaft gefrorene Eis wirkt seit Jahrtausenden wie ein natürlicher Superkleber, der Felswände stabil zusammenhält.

Steigende Durchschnittstemperaturen bringen diesen alpinen Kleber jedoch zum Schmelzen. Dringt nun flüssiges Wasser in feine Risse ein und gefriert im Winter wieder, sprengt es den Fels millimeterweise auseinander.

Kommt im Frühsommer starker Regen oder eine rasche Schneeschmelze hinzu, steigt der Wasserdruck in den Klüften extrem an. Der Hang verliert seinen Halt und rutscht unweigerlich ab.

Welche Warnsignale kündigen einen Felssturz an?

Geologen überwachen gefährdete Regionen mittlerweile mit Laserscannern, Radar und Seismografen rund um die Uhr. Doch auch Wanderer können Warnzeichen der Natur direkt im Gelände erkennen.

  • Häufiger Steinschlag: Wenn auf Wanderwegen immer wieder kleine Steine herabkullern, deutet das auf Bewegung im oberen Hangbereich hin.
  • Frische Risse im Boden: Neu entstandene Spalten im Pfad oder im Fels zeigen an, dass sich Untergrundschichten verschieben.
  • Ungewohnte Geräusche: Knackende oder dumpf grollende Töne aus der Felswand sind ein klares Alarmzeichen.
  • Trübe Quellen: Verfärbt sich Schmelz- oder Quellwasser plötzlich braun und lehmig, deutet das auf Reibung im Felsinneren hin.

Wie schützt man sich bei Touren in Graubünden?

Wer gerne in den Schweizer Alpen wandert, sollte Gefahrenzonen keineswegs ignorieren. Vor jeder Bergtour lohnt sich ein Blick auf lokale Gefahrenkarten und offizielle Warnungen.

Sperrzonen und Hinweisschilder sind strikt einzuhalten. Ein Umweg von 30 Minuten kann im Ernstfall Leben retten.

4 lebenswichtige Sofortmaßnahmen bei plötzlichem Steinschlag

Geraten Wanderer überraschend in eine Gefahrenzone, entscheiden Sekunden über die Sicherheit. Mit diesen klaren Schritten reagieren Sie richtig:

  • 1. Felswand im Blick behalten: Nicht kopflos rennen. Schauen Sie nach oben, um die Flugbahn herabfallender Steine rechtzeitig zu sehen.
  • 2. Schutz unter Überhängen suchen: Stellen Sie sich eng an die Bergwand unter feste Felsvorsprünge oder dicke Baumgruppen, um Treffer aus der Luft zu vermeiden.
  • 3. Rucksack als Schild nutzen: Wenn kein Unterstand erreichbar ist, hocken Sie sich nah an den Hang und halten Sie den gefüllten Rucksack schützend über Kopf und Nacken.
  • 4. Gefahrenzone zügig verlassen: Sobald die erste Welle vorbei ist, queren Sie das Geröllfeld schnell und ohne Pausen in sicheres Terrain.

Welche Apps und Tools bringen echte Sicherheit?

Vor jeder Tour in den Alpen lohnt sich die digitale Vorbereitung auf dem Smartphone. Offizielle Schweizer Portale liefern sekundengenaue Daten über Sperrungen und Erdrutsche.

Die offizielle Schweizer Warn-App Alertswiss informiert in Echtzeit über Naturgefahren, Evakuierungen und gesperrte Täler. Ergänzend dazu bieten die Portale des SLF (Institut für Schnee- und Lawinenforschung) sowie MeteoSchweiz verlässliche Niederschlags- und Temperaturdaten.

Wer diese Daten vor dem Aufstieg checkt, plant Routen vorausschauend und meidet instabile Bergflanken rechtzeitig.