250.000 verkaufte Bücher pro Jahr: Wie ein provenzalischer Dorfladen Amazon trotzt
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Luftaufnahme des Buchhandelskomplexes Le Bleuet in der Provence.
Mitten im provenzalischen Dorf Banon liegt ein ungewöhnliches Kulturphänomen: die Buchhandlung „Le Bleuet“. Während der klassische Einzelhandel vielerorts schrumpft, zieht dieser Laden jedes Jahr Hunderttausende Literaturbegeisterte in das abgelegene französische Dorf.
Einheimische bezeichnen den Standort gegenüber der Zeitung Les Echos als den Stolz der gesamten Region. Manche Kunden nehmen Anreisen von mehreren Hundert Kilometern auf sich, um vor Ort einzukaufen.
Aus mehreren Häusern geformtes Bücherlabyrinth
Den Grundstein legte der gelernte Tischler Joël Gattefossé. In den 1990er-Jahren kaufte er schrittweise benachbarte Dorfhäuser auf, schlug Wanddurchbrüche und schuf so einen zusammenhängenden Komplex über 670 Quadratmeter.
Um dem wachsenden Online-Riesen Amazon frühzeitig die Stirn zu bieten, ließ Gattefossé zur Jahrtausendwende mit Bankenkrediten sogar ein 1.700 Quadratmeter großes Logistiklager außerhalb des Dorfes errichten.
Luftaufnahme Le Bleuet
Rettung und Neuausrichtung ab 2016
Als das Projekt 2015 vor dem finanziellen Aus stand, übernahmen Marc Gaucherand und seine Frau das Geschäft. Sie bauten das Konzept um und setzten auf ein Pyramidensystem: Bestseller an der schmalen Spitze finanzieren eine breite Basis an Nischenliteratur.

Neben dem Sortiment setzt das Team auf Museumspartnerschaften und kulturelle Events. Touristen nutzen die Fassade mittlerweile als beliebtes Fotomotiv, wie Tochter Sophie Boucaud berichtet.
Die Eckdaten des Betriebs
- Öffnungszeiten: An 365 Tagen im Jahr geöffnet
- Verkaufsfläche: Rund 670 Quadratmeter in mehreren verbundenen Steinhäusern
- Sortiment: Etwa 120.000 Titel vorrätig
- Team: 14 Angestellte
- Absatz: 250.000 verkaufte Bücher bei rund 250.000 Besuchern pro Jahr
Das französische Magazin Nouvel Observateur stufte das Geschäft bereits unter die zehn besten Buchhandlungen des Landes ein.
Gegen den Abwärtstrend im Buchmarkt
Der Erfolg des Dorfladens steht im deutlichen Kontrast zur allgemeinen Branchenentwicklung. Nach Erhebungen des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels sank die Zahl der Buchkäufe im Jahr 2025 um 4,9 Prozent.
Besonders drastisch fiel der Rückgang bei Jugendlichen im Alter von zehn bis 15 Jahren aus, die 30,6 Prozent weniger Bücher kauften als 2024. Der Branchenumsatz ging von 9,88 auf 9,62 Milliarden Euro zurück, wobei der stationäre Handel mit einem Minus von 3,7 Prozent auf 3,93 Milliarden Euro das Nachsehen hatte.

