30 Prozent weniger Herz-Kreislauf-Vorfälle: Neue Studie belegt Nutzen von Statinen ab 70 Jahren
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Statine senken das LDL-Cholesterin im Blut und schützen Gefäße vor Ablagerungen.
Rund fünf Millionen Menschen in Deutschland nehmen täglich Statine ein, um ihren LDL-Cholesterinspiegel zu senken. Während der präventive Schutz vor Herzinfarkten und Schlaganfällen für jüngere Altersgruppen gut dokumentiert ist, fehlten belastbare Daten für gesunde Personen jenseits der 70.
Eine groß angelegte Untersuchung schließt nun diese Forschungslücke. Das Ergebnis: Die vorbeugende Einnahme von Statinen senkt das Risiko schwerer kardiovaskulärer Vorfälle bei Über-70-Jährigen ohne Vorerkrankungen um 30 Prozent.
Staree-Studie liefert Daten nach wissenschaftlichem Goldstandard
Die im Fachblatt New England Journal of Medicine veröffentlichte „Staree-Studie“ begleitete 9.971 Teilnehmer über einen durchschnittlichen Zeitraum von 5,9 Jahren. Alle Probanden waren mindestens 70 Jahre alt und litten zu Studienbeginn weder an Herz-Kreislauf-Erkrankungen noch an Diabetes oder Demenz.
Die Rekrutierung erfolgte über Hausarztpraxen. Die Teilnehmenden erhielten im Rahmen einer randomisierten, placebokontrollierten Doppelblindstudie täglich entweder 40 Milligramm Atorvastatin oder ein wirkstoffloses Scheinpräparat.
Wichtige Teilergebnisse der Untersuchung
- Kardiovaskuläre Ereignisse: Herzinfarkte, Schlaganfälle und notwendige Gefäßeingriffe gingen in der Atorvastatin-Gruppe um fast ein Drittel zurück.
- Gesamtüberleben und Demenz: Hinsichtlich der allgemeinen Sterblichkeit oder des Auftretens von Demenz und dauerhaften körperlichen Behinderungen zeigte sich kein signifikanter Unterschied zwischen beiden Gruppen.
- Verträglichkeit: Schwere Nebenwirkungen traten selten auf und betrafen in beiden Testgruppen jeweils 2,7 Prozent der Probanden.
Warum Mediziner das LDL-Cholesterin im Blick behalten
LDL-Cholesterin lagert sich über Jahrzehnte in den Blutgefäßen ab und begünstigt Arteriosklerose. Je älter ein Mensch wird, desto länger wirken diese Ablagerungsprozesse auf das Gefäßsystem ein.

Für die Bewertung des Cholesterinspiegels existiert kein allgemeingültiger Normwert. Mediziner beurteilen die Werte anhand des individuellen Gesamtrisikos, in das Faktoren wie Alter, Blutdruck, Rauchen und eventuelle Vorerkrankungen einfließen.
Grenzwerte für das LDL-Cholesterin im Überblick
Kardiologen orientieren sich bei der Einschätzung an klaren Richtwerten für den LDL-Spiegel im Blut:
- Herzgesunde Personen: unter 116 mg/dl
- Menschen mit Diabetes: unter 70 mg/dl
- Patienten mit Gefäßerkrankungen oder nach einem Schlaganfall: unter 55 mg/dl
Liegen die Werte über diesen Zielkorridoren, reichen Lebensstiländerungen wie eine Ernährungsumstellung oft nur für eine Reduktion um fünf bis zehn Prozent aus. Der Grund dafür liegt im menschlichen Stoffwechsel: Die körpereigene LDL-Produktion wird maßgeblich durch die Leber gesteuert und ist zu großen Teilen genetisch bedingt.
Die Sorge vor zu niedrigen Cholesterinwerten durch Medikamente stuft die Deutsche Herzstiftung als unbegründet ein. Da Körperzellen ihr benötigtes Cholesterin eigenständig herstellen können und das Gehirn über ein separates System verfügt, gelten selbst sehr niedrige Blutwerte um 25 mg/dl als gesundheitlich unbedenklich.
