355.000 wehrfähige Männer: Wadephul will Meldedaten von Ukrainern an Kiew weitergeben
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Teilnehmer stehen mit Ukraine- und EU-Fahnen während einer Demonstration für Solidarität mit der Ukraine vor dem Brandenburger Tor.
Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) will ukrainischen Behörden künftig Daten über Männer im wehrfähigen Alter übermitteln, die in Deutschland registriert sind. Die Weitergabe der behördlichen Meldedaten soll es Kiew ermöglichen, potenzielle Rekruten direkt zu kontaktieren.
„Wir wissen ganz genau, wer hier lebt. Wer Sozialleistungen bezieht, wer bei den Behörden gemeldet ist, wer einen Aufenthaltsstatus hat“, erklärte Wadephul im Podcast von Paul Ronzheimer. Die tatsächliche Rückkehr in das Heimatland solle nach seinen Worten jedoch „ohne Zwang“ ablaufen.
Teilnehmer stehen mit Ukraine- und EU-Fahnen während einer Demonstration für Solidarität mit der Ukraine im März 2025 vor dem Brandenburger Tor.
Zahl der wehrfähigen Ukrainer in Deutschland steigt deutlich
Mit dem Vorstoß schließt sich der Außenminister einer Forderung von CSU-Chef Markus Söder an, der bereits zuvor auf die Rückkehr wehrfähiger Männer gepocht hatte. Die Statistik des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge belegt eine wachsende Gruppe von Betroffenen in der Bundesrepublik.
Zum Stichtag 30. Mai 2026 lebten rund 355.745 ukrainische Männer im Alter von 18 bis 63 Jahren in Deutschland. Im Vorjahr lag diese Zahl noch bei etwa 297.660 Personen.
Als wesentlicher Faktor für diesen Anstieg gilt eine Lockerung des ukrainischen Ausreiseverbots von Ende August 2025, die Männern zwischen 18 und 22 Jahren das Verlassen des Landes gestattet. Währenddessen häufen sich in der Ukraine Berichte über gewaltsame Auseinandersetzungen bei Rekrutierungsmaßnahmen.
Fälle von Fahnenflucht während der Ausbildung
Die Mobilisierungsdebatte spiegelt sich auch in Ausbildungszentren wider. Nach Recherchen der Zeit sind allein in Sachsen-Anhalt 80 Fälle registriert, in denen ukrainische Soldaten sich während des Trainings in Deutschland absetzten.
Bundesweit rechnen die Sicherheitsbehörden mit mehreren Hundert Fällen von Desertion. Das Bundesverteidigungsministerium stuft diese Vorfälle als vereinzelte interne Angelegenheiten der ukrainischen Streitkräfte ein.
EU schränkt automatischen Schutz für wehrfähige Männer ein
Die rechtlichen Rahmenbedingungen auf europäischer Ebene wurden bereits angepasst. Die EU-Staaten beschlossen im Juli, wehrfähige Männer vom automatischen Anspruch auf den EU-Schutzstatus auszunehmen, während der Schutz für alle anderen ukrainischen Geflüchteten bis März 2028 verlängert wurde.
Diese Änderung erfolgte auf Wunsch der Regierung in Kiew für die Gruppe der 23- bis 60-Jährigen. Männer, die neu aus der Ukraine einreisen wollen, müssen künftig eine legale Ausreise oder eine Befreiung vom Wehrdienst amtlich nachweisen. Für Personen, die sich bereits in der EU befinden, gilt diese Neuregelung nicht.
Wadephul pocht auf Aufträge für deutsche Rüstungsindustrie
Verknüpft mit der militärischen Lage fordert die Bundesregierung mehr wirtschaftliche Gegenleistungen von der Ukraine. Deutschland sei mittlerweile der stärkste Unterstützer des Landes, woraus Wadephul klare Ansprüche ableitet.
„Es muss naturgemäß so sein, dass die deutsche Verteidigungsindustrie davon profitiert“, sagte der CDU-Politiker. Bisherige Beschaffungen aus Kiew seien aus Berliner Sicht unzureichend.
Außenminister Johann Wadephul (CDU)
Bei seinem jüngsten Besuch in Kiew habe Wadephul das Thema direkt bei Präsident Wolodymyr Selenskyj angesprochen. Er betonte das Interesse an Technologiepartnerschaften, insbesondere mit deutschen Start-ups im Bereich der Drohnenentwicklung.
Spannungen mit Moskau nach Vorfall in Leipzig
Parallel reagierte der Außenminister auf scharfe Angriffe des russischen Chefdiplomaten Sergej Lawrow, der Berlin Kriegsvorbereitungen vorgeworfen hatte. Auslöser war ein versuchter Drohnenanschlag am Flughafen Leipzig/Halle Anfang August, den die Bundesregierung Moskau zuschreibt.
Als Reaktion hatte Deutschland das russische Generalkonsulat in Bonn und das Kulturzentrum in Berlin geschlossen. Russland antwortete mit der Schließung des deutschen Konsulats in St. Petersburg und der Goethe-Institute.
Wadephul wies die Vorwürfe aus Moskau als Versuch der Destabilisierung zurück. Die Rhetorik der russischen Führung sei ein klares Signal militärischer und politischer Verzweiflung im fünften Kriegsjahr.


