37.500 kWp Leistung: Deutschlands größter Solarpark auf nassem Moor geht ans Netz
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Kompakte Photovoltaik-Technik für die dezentrale Stromerzeugung.
In Varel im niedersächsischen Landkreis Friesland hat ein neuartiges Energieprojekt den Betrieb aufgenommen. Auf einer ehemals intensiv entwässerten Moorfläche entstand der nach Betreiberangaben bundesweit größte Solarpark auf wiedervernässtem Boden.
Die Anlage nahe der Autobahn A29 verfügt über eine Gesamtleistung von mehr als 37.500 kWp. Das Areal soll rechnerisch über 9.000 Haushalte mit grünem Strom versorgen und pro Jahr etwa 23.000 Tonnen CO2 einsparen.
Doppelnutzung aus Klimaschutz und Stromerzeugung
Hinter der Anlage stehen das Energieunternehmen WI Energy, die emt²gruppe sowie die beiden Landwirte Andreas Rengstorf und Lars Kaper. Das Konzept setzt auf eine Kombination aus ökologischer Aufwertung und erneuerbarer Energie.
Die vormals rein landwirtschaftlich genutzten Parzellen werden dauerhaft vernässt, um den Moorboden zu stabilisieren. Gleichzeitig dient das Gelände weiterhin als Weidefläche für Schafe oder Rinder.
Spezialtechnik für schwierigen Untergrund
Der Bau auf nassen Moorböden erfordert angepasste Ingenieurslösungen. Da der Untergrund weich, feucht und chemisch sauer ist, gingen dem Aufbau umfassende Bodenanalysen voraus.
Die Trägerkonstruktion besteht aus spezialbeschichtetem Magnelis-Stahl, um dauerhaftem Rostbefall im sauren Milieu zu widerstehen. Die Pfähle wurden dafür mehrere Meter tief im Erdreich verankert, auch um den starken Windlasten der Küstenregion standzuhalten.

Zusätzlicher Ertrag durch Reflexion
Die Konstruktionshöhe der Paneele erlaubt eine dauerhafte Pflege und Beweidung der Vegetation darunter. Zudem nutzen die Solarmodule nicht nur die direkte Sonneneinstrahlung, sondern fangen auch das von den Wasserflächen reflektierte Licht auf.
Kleines Kraftwerk Solaranlage.
Forschungsprojekt zur Wirtschaftlichkeit von Moor-PV
Wissenschaftler, unter anderem von der Universität Greifswald, begleiten die Anlage in Varel. Sie untersuchen, ob Solarenergie die Wiedervernässung geschädigter Moore rentabler gestalten kann.
Für die Forschung gilt eine klare Grenze: Solaranlagen dürfen ausschließlich auf bereits trockengelegten, degradierten Moorflächen errichtet werden. Intakte Naturschutzgebiete bleiben tabu, da nur bei vorgeschädigten Böden der Stopp von Treibhausgasemissionen im Vordergrund steht.
Die Forscher analysieren nun vor Ort, wie sich veränderte Wasserstände, Modulhöhen und Fundamente auf die Artenvielfalt, das Pflanzenwachstum sowie den CO2-Ausstoß auswirken. Zudem wird erfasst, ob die Verschattung das Wachstum typischer Moorpflanzen wie Schilf beeinträchtigt oder die Böden vor sommerlicher Austrocknung schützt.

