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45-Minuten-Anruf vor dem 7. Oktober: VAE warnten Netanyahu vor Hamas-Angriff

45-Minuten-Anruf vor dem 7. Oktober: VAE warnten Netanyahu vor Hamas-Angriff Aktuelle News

45-Minuten-Anruf vor dem 7. Oktober: VAE warnten Netanyahu vor Hamas-Angriff

Rund eineinhalb Wochen vor dem Großangriff der Terrororganisation Hamas am 7. Oktober 2023 soll Israels Premierminister Benjamin Netanyahu eine direkte Warnung aus den Vereinigten Arabischen Emiraten erhalten haben. Das Telefonat mit dem Staatsoberhaupt der VAE, Mohammed bin Zayed (MbZ), dauerte 45 Minuten.

Mohammed bin Zayed: Der starke Mann der VAE
Mohammed bin Zayed, Staatsoberhaupt der Vereinigten Arabischen Emirate.

Im Mittelpunkt des Gesprächs stand nach vorliegenden Informationen der damalige Hamas-Chef Yahya Sinwar. Die VAE warnten davor, dass Sinwar einen massiven Schlag vorbereite, der weit über die Grenzen von Israel und den Palästinensergebieten hinaus den gesamten Nahen Osten destabilisieren könnte.

Geheimdienstliche Warnung vor einem regionalen Erdbeben

Sinwar selbst hatte die geplante Operation intern offenbar als bevorstehendes »Erdbeben« bezeichnet. Die Warnung aus Abu Dhabi galt den strategischen Ausmaßen dieses Plans.

Yahya Sinwar auf einer Aufnahme aus dem Jahr 2011
Hamas-Anführer Yahya Sinwar.

An dem Telefonat auf emiratischen Seiten war Mohammed Dahlan beteiligt. Der im Exil lebende Politiker galt früher als Sicherheitschef im Gazastreifen und verfügt weiterhin über ein dichtes Informationsnetzwerk in der Region.

Mohammed Dahlan
Der palästinensische Politiker Mohammed Dahlan.
Mohammed Dahlan
Der palästinensische Politiker Mohammed Dahlan.

Die Recherchen stammen von den israelischen Journalisten Schlomi Eldar und Ruth Yuval, die diese in einem neu erschienenen Buch darlegen. Laut ihrer Untersuchung versäumte es Netanyahu, die Führung des israelischen Sicherheitsapparats über die Inhalte des Gesprächs in Kenntnis zu setzen.

Politische Spannungen vor den Neuwahlen

Der Premierminister wies die Darstellungen umgehend und entschieden zurück. Die Veröffentlichung schlägt in Israel dennoch hohe Wellen, da das Land in rund sechs Wochen ein neues Parlament wählt.

Benjamin Netanyahu
Israels Premierminister Benjamin Netanyahu.

Zusätzliche Debatten lösten jüngste Aussagen von Sara Netanyahu aus. Die Ehefrau des Premiers stellte die Theorie auf, Oppositionspolitiker Yair Golan hätte im Vorfeld von dem Angriff wissen können.

Golan, ehemaliger Vizegeneralstabschef, rettete am 7. Oktober eigeninitiativ Zivilisten im Kampfgebiet. Sara Netanyahu betonte hingegen, ihr Mann habe an jenem Morgen keine Vorabinformationen gehabt.

Unterdessen kündigte Netanyahu bei einem Besuch im Gazastreifen an, dass Israel die militärische Kontrolle über rund 60 Prozent des Küstengebiets beibehalten will. Zuvor lag der kontrollierte Anteil bei 53 Prozent.


Gadi Eisenkot, ehemaliger Militärchef und Rivale Netanyahus.

Gadi Eisenkot, ehemaliger Militärchef und Rivale Netanyahus.

Scharfe Kritik aus der Opposition

Der frühere Generalstabschef Gadi Eisenkot griff den Regierungschef nach Bekanntwerden der Buchpassagen scharf an. Netanyahu habe zahlreiche Warnungen ignoriert und das Land unvorbereitet in die Katastrophe geführt.

Eisenkot, der die Zentrumspartei Jaschar anführt, sprach dem Premier die Eignung für das Amt ab. Aktuelle Umfragen zeigen vor den anstehenden Wahlen ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen ohne klare Mehrheit für eines der politischen Lager.