458 Meter lang und 657.019 Tonnen schwer: Die unglaubliche Geschichte des Supertankers Seawise Giant
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Mit einer Gesamtlänge von 458,45 Metern war der Supertanker länger als das Empire State Building hoch ist.
Zwischen 1974 und 1979 baute die Werft Sumitomo Heavy Industries im japanischen Yokosuka einen Öltanker von unvorstellbaren Ausmaßen. Mit einer Gesamtlänge von 458,45 Metern entstand das längste Schiff mit eigenem Antrieb, das jemals die Meere befuhr.
Seine Dimensionen brachen sämtliche Rekorde: Bei voller Beladung erreichte der Gigant eine Wasserverdrängung von 657.019 Tonnen und konnte rund 4,1 Millionen Barrel Rohöl transportieren. Mit einer Breite von knapp 68,6 Metern war er mehr als doppelt so groß wie die Titanic und überragte flachgelegt sogar das Empire State Building.
Ein Gigant ohne Zugang zu den wichtigsten Wasserstraßen
Die schiere Masse des Schiffs brachte erhebliche logistische Probleme mit sich. Voll beladen lag der Tiefgang bei 24,61 Metern – zu viel für den Ärmelkanal, den Suezkanal oder den Panamakanal.
Kapitäne mussten Routen um ganz Afrika oder Südamerika planen, was Fahrten um tausende Kilometer verlängerte. Auch Manöver erforderten extreme Voraussicht: Der Wendekreis maß zwei Seemeilen, und der Bremsweg bis zum vollständigen Stillstand betrug stolze fünf Seemeilen.
Ursprünglich von einem griechischen Reeder in Auftrag gegeben, der das Schiff letztlich nicht abnahm, kaufte der Hongkonger Reeder C.Y. Tung das Projekt auf. Er ließ den Rumpf nochmals vergrößern und taufte den Koloss auf den Namen Seawise Giant.
Raketenangriff im Tankerkrieg und die Rettung
Am 14. Mai 1988 schien das Schicksal des Supertankers besiegelt. Während des Ersten Golfkriegs lag das Schiff vor der iranischen Insel Larak vor Anker, um Öl zu laden, als die irakische Luftwaffe mit französischen Exocet-Raketen angriff.
Die Treffer lösten verheerende Brände in den Tanks aus. Das brennende Schiff sank im flachen Wasser auf Grund und wurde von den Versicherern als wirtschaftlicher Totalschaden abgeschrieben.
Wiederaufbau in Singapur
Nach Kriegsende kaufte ein norwegisches Konsortium unter Führung von Norman International das Wrack. Es wurde gehoben, nach Singapur geschleppt und mit über 3.700 Tonnen neuem Stahl wieder seetüchtig gemacht.

Ab Oktober 1991 fuhr das Schiff unter dem Namen Happy Giant wieder über die Weltmeere.
Vom Jahre Viking zum Abbruchstrand von Alang
Der norwegische Reeder Jørgen Jahre erwarb den Koloss kurz darauf für 30 Millionen Dollar und nannte ihn Jahre Viking. Trotz der gewaltigen Ausmaße reichte eine Kernbesatzung von nur 40 Personen aus.
Ein massiver Umbau brachte acht MAN-B&W-Dieselmotoren mit insgesamt 110.000 PS Leistung an Bord, die eine gigantische Schiffsschraube mit neun Metern Durchmesser antrieben.
Im Jahr 2004 übernahm First Olsen Tankers das Schiff, benannte es in Knock Nevis um und verankerte es dauerhaft vor Katar als schwimmendes Öllager im Al-Shaheen-Ölfeld. Die Ära der Transozeanfahrten war damit beendet.
Ende 2009 trat der Tanker unter dem Überführungsnamen Mont seine letzte Fahrt zu den Abwrackwerften im indischen Alang an. Rund 18.000 Arbeiter zerlegten den Stahlriesen im Laufe eines Jahres vollständig.
Vom größten selbstfahrenden Schiff der Geschichte existiert heute nur noch der 36 Tonnen schwere Anker, der im Hong Kong Maritime Museum ausgestellt ist.
