5, 10 und 60 Sekunden: Neue Zeitlimits und VAR-Befugnisse im Fußball
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Der Video-Assistent erhält bei Ampelkarten neue Eingriffsmöglichkeiten.
Die Regelhüter des Fußballs drehen an entscheidenden Stellschrauben. Im Fokus stehen ein höheres Spieltempo, weniger Zeitspiel sowie gezielte Anpassungen bei VAR-Eingriffen und Disziplinarstrafen.
Strenge Zeitlimits gegen Spielverzögerungen
Um den Spielfluss zu beschleunigen, greifen klare Zeitvorgaben für Standardsituationen, Auswechslungen und Behandlungspausen.
- 5 Sekunden bei Einwurf und Abstoß: Der Schiedsrichter zählt die Zeit mit erhobenen Fingern herunter. Verstreicht das Limit, wechselt der Ballbesitz sofort zur gegnerischen Mannschaft. Der Startpunkt des Countdowns liegt im Ermessen des Unparteiischen.
- 10 Sekunden bei Auswechslungen: Sobald die Anzeigetafel die Rückennummer anzeigt, bleiben dem ausgewechselten Spieler maximal zehn Sekunden, um das Spielfeld zu verlassen. Dauert es länger, muss der neue Spieler mindestens eine Minute und bis zur nächsten Spielunterbrechung draußen warten. Bei Mehrfachwechseln gilt die Frist des letzten Spielers.
- 60 Sekunden nach Behandlung: Wird ein Spieler auf dem Rasen medizinisch versorgt, muss er das Spielfeld für eine Minute verlassen. Eine Rückkehr ist im laufenden Spiel nach Freigabe durch das Schiedsrichtergespann möglich. Ausgenommen sind Torhüter, Behandlungen nach mit Gelb oder Rot geahndeten Fouls sowie gleichzeitige Behandlungen von zwei Spielern desselben Teams.
Erweiterte VAR-Eingriffe bei Ampelkarten
Der Video-Assistent darf künftig Fehlentscheidungen in weiteren konkreten Abläufen korrigieren.
Die wichtigste Neuerung betrifft Platzverweise nach wiederholtem Foulspiel: Der VAR darf überprüfen, ob die zweite Verwarnung einer Gelb-Roten Karte berechtigt war. Eine ausgebliebene Verwarnung oder die erste Gelbe Karte bleiben weiterhin von einer Überprüfung ausgeschlossen.
Der VAR kann in Zukunft auch Gelb-Rote Karten überprüfen
Zusätzlich darf der Video-Schiedsrichter nun auch Vergehen im Strafraum anzeigen, die vor einer Spielfortsetzung stattfanden. Fällt nach einem solchen Gerangel ein Tor, wird der Treffer aberkannt und die Standardsituation – etwa ein Eckball – wiederholt.
Anpassungen bei Notbremsen und Vorteilsauslegung
Um Doppelbestrafungen zu vermeiden, entfällt bei Notbremsen oder torverhindernden Handspielen die persönliche Strafe (Gelb oder Rot), sofern der Treffer trotz des Vergehens erzielt wird. Rohe und rücksichtslose Fouls bleiben hiervon unberührt und werden weiterhin sanktioniert.
Ein Vorteil greift zudem bei Regelverstößen bei der Spielfortsetzung: Führt ein falsch ausgeführter Einwurf oder ein nicht ruhender Freistoß zu einem Treffer der gegnerischen Mannschaft, bleibt das Tor regulär bestehen.

Schmuck und Kommunikation mit dem Schiedsrichter
Ringe, Ohrringe und andere Schmuckstücke sind auf dem Platz wieder erlaubt, müssen jedoch aus Sicherheitsgründen vollständig und fest abgeklebt sein.
Harry Kane darf in Zukunft seinen Ring wieder tragen. Bisher küsste der Bayern-Star nach einem Tor nur weißes Tape an seinem Finger.
Die Kapitänsregel bleibt unverändert bestehen. Nach Angaben von Alex Feuerherdt, Sprecher der DFB Schiri GmbH, sollen strittige Szenen vorrangig den Spielführern erläutert werden. Dennoch dürfen auch weiterhin andere Spieler sachlich das Gespräch mit dem Schiedsrichter suchen.
Unterschiedliche Handhabung in Bundesliga und Europapokal
Einige Optionen werden nicht in allen Wettbewerben einheitlich umgesetzt. Während die UEFA in der Champions League klare Fehlentscheidungen bei Eckbällen durch den VAR korrigieren lässt, verzichtet die DFL in der Bundesliga komplett auf diese Prüfung.
Nach diesem Vorfall mit Vinicius Junior (l.) wurde Gianluca Prestianni (m.) für sechs Spiele gesperrt.
Das Verdecken des Mundes wird von UEFA und DFL einheitlich mit einer Gelben Karte belegt, verbunden mit einer Prüfung durch die Sportgerichtsbarkeit. Trinkpausen werden in der Bundesliga weiterhin situationsabhängig nach Wetterlage entschieden.
Eingriffsgrenzen bei Spielerverwechslungen
Verwechselt der Schiedsrichter bei einer Verwarnung zwei Akteure gegnerischer Mannschaften, darf der Video-Assistent intervenieren. Ein solcher Fall ereignete sich im September 2024, als Atakan Karazor vom VfB Stuttgart Gelb-Rot sah, obwohl Maximilian Arnold vom VfL Wolfsburg hätte verwarnt werden müssen.
Enge Auslegung durch das Regelgremium
Das International Football Association Board (IFAB) stellte klar, dass bei einem solchen Eingriff ausschließlich die Identität des Spielers korrigiert werden darf. Die Schiedsrichter dürfen das Foulspiel selbst nicht neu bewerten oder uminterpretieren.



