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50.000 Jobs und 4 Werke wackeln: VW-Aufsichtsrat segnet radikalen Sparkurs ab

50.000 Jobs und 4 Werke wackeln: VW-Aufsichtsrat segnet radikalen Sparkurs ab Aktuelle News

50.000 Jobs und 4 Werke wackeln: VW-Aufsichtsrat segnet radikalen Sparkurs ab

Der Aufsichtsrat von Volkswagen hat dem radikalen Sparprogramm des Vorstands einstimmig zugestimmt. Damit steht fest: Im Konzern sollen weitere 50.000 Arbeitsplätze wegfallen.

Gleichzeitig stehen vier Produktionsstandorte auf dem Prüfstand, darunter auch das Audi-Werk in Neckarsulm.

VW-Chef Blume hat sich am Dientag zum geplanten Stellenabbau bei VW und Audi geäußert. (Symbolbild)
VW-Konzernchef Oliver Blume äußerte sich zu den Spar- und Abbauplänen bei Volkswagen und Audi.

Ungewisse Zukunft: Neckarsulm ohne Folgeaufträge ab 2034

Bis Ende Juni 2027 will die Konzernspitze ein neues Konzept für eine wettbewerbsfähige Produktionsstruktur erarbeiten. Parallel dazu werden alternative Nutzungsmöglichkeiten für die betroffenen Werke geprüft.

Für den traditionsreichen Audi-Standort Neckarsulm gibt es nach derzeitigem Stand ab 2034 keine Folgeaufträge mehr. Sollten Effizienzsteigerungen gelingen, bleibt die Zukunft des Werks jedoch verhandelbar.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir fordert rasche Verbindlichkeit vom Konzern. Er verlangt vom Vorstand, Aufsichtsrat und der Audi-Führung, Neckarsulm eine industrielle Perspektive mit neuen Produkten und Investitionen über 2034 hinaus zu geben.

Beim Audi Werk in Neckarsulm soll 2034 die Produktion enden. Das soll der Vorstand von VW beschlossen haben. (Symbolbild)
Das Audi-Werk in Neckarsulm, an dem ab 2034 die reguläre Fertigung auslaufen könnte.

Enorme Kostenschere im europäischen Vergleich

Die Schieflage der deutschen Standorte belegen interne Zahlen des Vorstands. Im Jahr 2026 beliefen sich die Produktionskosten in den deutschen VW-Werken auf durchschnittlich 6.490 Euro pro Fahrzeug.

An europäischen Standorten außerhalb Deutschlands lagen die Fertigungskosten im Schnitt bei lediglich 2.832 Euro pro Einheit. Diese Lücke allein durch klassische Einsparungen zu schließen, gilt in Branchenkreisen als kaum realisierbar.

Verteidigungstechnik oder China-Modelle als Rettung?

Um Werksschließungen abzuwenden, stehen derzeit zwei grundlegend unterschiedliche Konzepte im Raum.

Umnutzung für die Rüstungsindustrie

VW-Chef Oliver Blume bestätigte bereits Gespräche mit Unternehmen aus dem Verteidigungssektor. Für den Standort Osnabrück laufen Berichten zufolge Verhandlungen mit einem israelischen Rüstungskonzern über die Fertigung von Komponenten für das Abwehrsystem „Iron Dome“.

Auch in Baden-Württemberg gewinnt der Sektor an Bedeutung: Unternehmen wie Daimler Truck, Heidelberger Druckmaschinen und Trumpf investieren bereits verstärkt in Wehrtechnik. Für Neckarsulm gilt ein solcher Schritt zumindest als denkbar.

Fertigung chinesischer Plattformen

Als zweite Option gilt der Bau von Fahrzeugen, die Volkswagen speziell für den chinesischen Markt entwickelt hat. Diese kostengünstigen Elektroautos könnten theoretisch auch auf deutschen Bändern montiert werden.

Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter plädiert dafür, diese Option intensiv für das Werk in Zwickau zu prüfen.

Audi-Betriebsratschef Jörg Schlagbauer betont, dass der Fokus nun auf den anstehenden Detailverhandlungen liegen müsse, um verlässliche Perspektiven zu schaffen. Autoanalyst Jürgen Pieper stuft eine komplette Schließung von Neckarsulm als unwahrscheinlich ein – auch wegen der Bedeutung als einer der größten Industriestandorte im Südwesten.