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51,2 Prozent gegen den Landestrend: Wie eine Kleinstadt im Harz der AfD trotzt

Harzgerodes Bürgermeister Marcus Weise Aktuelle News

Marcus Weise führt die CDU in Harzgerode mit absoluter Mehrheit an.

Während die CDU auf Landesebene in Sachsen-Anhalt massiv unter Druck gerät und die AfD in Umfragen Rekordwerte verbucht, behauptet sich im Landkreis Harz eine bemerkenswerte Ausnahme. In der rund 7.200 Einwohner zählenden Kleinstadt Harzgerode holten die Christdemokraten bei den jüngsten Kommunalwahlen mit 51,2 Prozent der Stimmen die absolute Mehrheit.

Damit stellt die Partei gemeinsam mit Bürgermeister Marcus Weise zwölf von 18 Sitzen im Stadtrat. Die AfD landete bei 17,1 Prozent, konnte von drei errungenen Mandaten jedoch nur eines besetzen. Die Linke erreichte 9,7 Prozent, die SPD 9,1 Prozent, dazu kommen drei Bürgerlisten mit jeweils einem Sitz.

Vereine, Kitas und ein Zehn-Millionen-Projekt

Bürgermeister Marcus Weise führt das kommunale Rekordergebnis vor allem auf eine verlässliche Basisarbeit vor Ort zurück. Ein intaktes Vereinsleben und eine schlagkräftige Feuerwehr seien essenziell, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt in kleineren Kommunen zu sichern.

Hinzu kommen kontinuierliche Investitionen in die Infrastruktur. Trotz weit verstreuter Ortsteile unterhält die Stadt eine Grundschule, eine weiterführende Schule, einen Hort sowie sieben Kindergärten.

Aktuell baut die Kommune zudem ein neues Schwimmbad für zehn Millionen Euro, wovon sieben Millionen aus Eigenmitteln und drei Millionen aus Fördergeldern stammen. Das bindet Familien und stärkt den Tourismus, der neben dem traditionellen Bergbau das wichtigste wirtschaftliche Standbein bildet.

Sachsen-Anhalt ist bei Wahlen „immer für Überraschungen gut”, sagt Harzgerodes Bürgermeister Marcus Weise (38, CDU).
Harzgerodes Bürgermeister Marcus Weise (CDU)

Glaubwürdigkeitsverluste auf Landes- und Bundesebene

Weise blickt zugleich kritisch auf die Entwicklung der CDU außerhalb seiner Stadtgrenzen. Auf Landesebene habe die frühere Regierung unter Reiner Haseloff Probleme wie Schulausfälle oder die Einführung einer Bürgerarbeit für Arbeitsfähige zu spät angepackt. Der Wechsel zu Ministerpräsident Sven Schulze hätte früher erfolgen müssen.

Fehler der Bundespolitik belasten Pendler

Noch schwerer wiegen laut Weise jedoch Fehler der Bundespolitik. Da Sachsen-Anhalt ein ausgeprägtes Pendlerland ist, treffen steigende Spritpreise die Bevölkerung besonders hart.

51,2 Prozent gegen den Landestrend: Wie eine Kleinstadt im Harz der AfD trotzt

Das politische Hin und Her um Entlastungen habe die Glaubwürdigkeit der Bundespartei beschädigt. Zwar mache die AfD mit populistischen Parolen Stimmung, bieten könne sie jedoch keine Lösung, so Weise.

Auch die Wortwahl bei der Bundeswehrreform sieht der Bürgermeister kritisch. Der Begriff „kriegstüchtig“ schüre unnötige Ängste in der Bevölkerung, während die Formulierung „verteidigungsfähig“ den eigentlichen Zweck besser getroffen hätte.

Blickfang im Herzen von Harzgerode: Das Rathaus.
Das Rathaus in Harzgerode

Investoren zögern wegen politischer Ungewissheit

Die Warnung vor einem weiteren Erstarken der AfD untermauert Weise mit konkreten Erfahrungen aus der Wirtschaft. Ein Investor, der in Harzgerode ein millionenschweres Vorhaben umsetzen will, halte das Projekt vorerst zurück, um den Ausgang der nächsten Landtagswahl abzuwarten.

Ein Bundesland unter AfD-Führung gelte vielen Unternehmern als Standortrisiko. Zudem sei die regionale Wirtschaft, besonders in der Pflege und medizinischen Versorgung, dringend auf ausländische Fachkräfte angewiesen.

Um Wähler zurückzugewinnen, mahnt Weise einen sachlichen Umgang an: AfD-Wähler dürften nicht pauschal verurteilt werden. Entscheidend sei, reale Probleme offen auszusprechen und durch verlässliches Regierungshandeln Vertrauen wiederherzustellen.