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60 Prozent der Deutschen kennen Wero nicht: Europäische PayPal-Alternative kämpft um Akzeptanz

Smartphone mit Bezahlfunktion auf dem Display Aktuelle News

Der europäische Bezahldienst Wero soll US-Anbietern wie PayPal Konkurrenz machen.

Zwei Jahre nach dem Marktstart bleibt der europäische Bezahldienst Wero für die Mehrheit der Verbraucher in Deutschland ein Fremdwort. Rund 60 Prozent der Bundesbürger haben noch nie von der Plattform gehört, die als europäischer Gegenentwurf zu US-Giganten wie PayPal, Visa und Mastercard antritt.

Das zeigt eine repräsentative Erhebung des Vergleichsportals Verivox. Zwar stieg die Bekanntheit im Vergleich zum Vorjahr um neun Prozentpunkte, doch tatsächlich genutzt haben Wero für Online-Käufe oder Überweisungen bisher lediglich rund sieben Prozent der Befragten.

Fehlendes Wissen und kuriose Fehleinschätzungen

Viele Bundesbürger können mit dem Namen Wero wenig anfangen. Unter jenen, die den Begriff nur vage einordnen konnten, vermuteten manche eine Devisenhandels-App, ein Geldanlage-Werkzeug oder sogar eine Debitkarte aus Holz.

„Der Bezahldienst, mit dem die beteiligten Banken eine europäische Alternative zu großen US-amerikanischen Zahlungsdienstleistern etablieren wollen, ist noch immer sechs von zehn Deutschen unbekannt“, erklärt Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH.

Selbst unter den Personen, die Wero kennen, herrscht Zurückhaltung: 65 Prozent von ihnen haben den Dienst noch nie ausprobiert. Der Großteil der Befragten zweifelt zudem daran, dass sich das System gegen die US-Konkurrenz durchsetzen kann. Einzig in der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen glaubt eine Mehrheit an einen langfristigen Erfolg gegenüber PayPal und Mastercard.

Direkte Kontoanbindung ohne Zwischenstation

Hinter Wero steht die European Payments Initiative (EPI), ein Zusammenschluss großer europäischer Kreditinstitute, darunter die Sparkassen, die Volks- und Raiffeisenbanken sowie die Deutsche Bank. Das Ziel des Konsortiums ist es, die Abhängigkeit von außereuropäischen Zahlungsnetzwerken zu verringern.

Technisch setzt Wero auf direkte Echtzeitüberweisungen von Girokonto zu Girokonto innerhalb von zehn Sekunden. Geldtransfers sind rund um die Uhr möglich und erfordern lediglich eine Mobilfunknummer, eine E-Mail-Adresse oder einen QR-Code des Empfängers.

60 Prozent der Deutschen kennen Wero nicht: Europäische PayPal-Alternative kämpft um Akzeptanz

Ein zentraler Unterschied zu US-Plattformen liegt in der Struktur: Da Transaktionen unmittelbar über das bestehende Bankkonto abgewickelt werden, agiert kein externer Dienstleister als Zwischeninstanz für das Guthaben. Zudem fallen die Gebühren für Händler laut Berichten geringer aus als bei herkömmlichen Anbietern.

Schritte zur Aktivierung des Dienstes

  • Aufruf der Plattform wero-wallet.eu oder Nutzung der Funktion direkt in der App der eigenen Bank.
  • Auswahl des entsprechenden Kreditinstituts in der Übersicht.
  • Scannen des angezeigten QR-Codes zur Freischaltung.
  • Hinterlegung und Verknüpfung des Girokontos.

Sofern die eigene Bank Wero bereits unterstützt, ist bei vielen Instituten kein separater App-Download nötig, da das System direkt in das bestehende Online-Banking integriert wird.

Langer Weg gegen bestehende Monopole

Wero erreicht aktuell schätzungsweise 56 Millionen Bankkunden in Deutschland, Frankreich und Belgien. In Deutschland testete unter anderem die Supermarktkette Lidl den Einsatz an den Kassen, während in Luxemburg und den Niederlanden Systemmigrationen vorbereitet werden.

Bis 2026 plant die Initiative, flächendeckende Zahlungen im stationären Einzelhandel sowie Zusatzfunktionen wie Kundenbindungsprogramme und wiederkehrende Zahlungen bereitzustellen. Einige Nutzer bemängeln derzeit allerdings noch die Benutzerführung der App und komplexe Sicherheitsprozesse.

Der Rückstand auf etablierte Konzerne bleibt groß. Marktführer PayPal startete 2004 mit einer deutschen Webpräsenz und benötigte zwölf Jahre intensiver Vermarktung, um hierzulande 16 Millionen Nutzerkonten aufzubauen.