68,3 Millionen Buchungen: EU will Kommunen Handhabe gegen Airbnb und Booking geben
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68,3 Millionen Buchungen: EU will Kommunen Handhabe gegen Airbnb und Booking geben
Die Europäische Kommission will Städten und Gemeinden rechtssichere Instrumente an die Hand geben, um Ferienwohnungen auf Plattformen wie Airbnb oder Booking gezielter einzuschränken. Damit reagiert Brüssel auf die angespannte Lage auf den Wohnungsmärkten zahlreicher europäischer Metropolen.
„Wir befinden uns in einer Wohnungskrise, wir müssen handeln“, erklärte der EU-Kommissar für Energie und Wohnungswesen, Dan Jørgensen. Kurzzeitvermietungen seien zwar nicht die alleinige Ursache, aber ein spürbarer Treiber des Problems.
Rechtssicherheit für lokale Eingriffe
Da die Europäische Union keine verbindlichen Vorschriften für lokale Wohnungsmärkte erlassen kann, setzt der Vorschlag auf Leitlinien für nationale und regionale Behörden. Diese sollen Kriterien erhalten, um den Wohnungsmarkt vor Ort zu analysieren und rechtssichere Beschränkungen zu erlassen, ohne gegen EU-Binnenmarktvorschriften zu verstoßen.
Die Pläne beziehen sich nicht nur auf Vermietungsplattformen, sondern erfassen auch Zweitwohnsitze sowie längerfristigen Leerstand. Bevor der Rahmen wirksam wird, müssen das Europäische Parlament und die EU-Mitgliedstaaten dem Entwurf zustimmen.
Jørgensen betonte, dass die Maßnahme die Wohnungsnot nicht von heute auf morgen beenden werde. Sie solle jedoch verhindern, dass Einheimische wegen fehlenden Wohnraums aus ihren Städten verdrängt werden.
Widerstand aus Parlament und Verbänden
Aus den Reihen des Europaparlaments kommt deutliche Kritik an dem Vorhaben. Markus Ferber (CSU) bemängelte, dass die Kommission am Kern des Problems vorbeiarbeite: Entscheidend sei die Frage, warum zu wenig gebaut werde und welche europäischen Vorschriften Investitionen im Bausektor behindern.
Zweifel an der Wirksamkeit pauschaler Regeln
Auch die Eigentümerseite sieht den Brüsseler Vorstoß skeptisch. Kai Warnecke, Präsident des Verbands Haus & Grund, wies darauf hin, dass Kurzzeitvermietungen nicht der primäre Auslöser der Wohnungskrise seien.
Eingriffe seien laut Warnecke nur dort gerechtfertigt, wo nachweisbar ist, dass Ferienwohnungen das reguläre Mietangebot über Jahre hinweg spürbar reduzieren. Zusätzliche europäische Vorgaben seien dafür nicht erforderlich.
Wohnkostenbelastung in Deutschland über EU-Schnitt
Die Dringlichkeit der Debatte unterstreichen aktuelle Daten des Statistikamts Eurostat: Im Jahr 2025 waren 11,2 Prozent der Bevölkerung in Deutschland durch Wohnkosten überbelastet, da sie mehr als 40 Prozent ihres verfügbaren Einkommens für das Wohnen aufwenden mussten. Im EU-weiten Durchschnitt lag dieser Wert bei 7,7 Prozent.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wurden in Deutschland im vergangenen Jahr allein über Booking, Airbnb und Expedia insgesamt 68,3 Millionen Übernachtungen gebucht. Wie stark einzelne Regionen betroffen sind, variiert europäisch stark: Im Zentrum von Madrid kommen auf 100 reguläre Mietwohnungen rechnerisch bereits rund 40 Kurzzeitvermietungen.
