6G ab 2030: Neuer Mobilfunkstandard kann durch Wände blicken und Vitaldaten erfassen
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6G ab 2030: Neuer Mobilfunkstandard kann durch Wände blicken und Vitaldaten erfassen
Der für etwa 2030 geplante Mobilfunkstandard 6G bringt einen massiven Technologiesprung mit sich. Neben extrem hohen Datenübertragungsraten und minimalen Latenzen führt die Technologie ein Verfahren namens Integrated Sensing and Communication (ISAC) ein.
Damit fungieren Mobilfunkantennen künftig nicht mehr nur als Sender und Empfänger für Daten, sondern gleichzeitig als hochpräzise Radarsensoren. Ohne zusätzliche Hardware tasten sie ihre direkte Umgebung ab und erfassen Objekte sowie Personen millimetergenau in Echtzeit.
Radarsignale scannen Wohnungen und Vitaldaten
Die Möglichkeiten dieser integrierten Sensorik reichen weit über gewöhnliche Ortungsdienste hinaus. Durch den Einsatz von maschinellem Lernen können die reflektierten Funksignale selbst minimale Bewegungen im Raum interpretieren.
Wie aus einem Positionspapier der deutschen Datenschutzkonferenz (DSK) hervorgeht, lassen sich über diese Signale unter anderem das individuelle Gangbild, die Atemfrequenz und der Herzschlag von Menschen analysieren. Da Funkwellen feste Hindernisse wie Wohnungswände mühelos durchdringen, schlagen Aufsichtsbehörden Alarm.
Tobias Keber, Vorsitzender der Konferenz, warnt vor den weitreichenden Konsequenzen für den Schutz der Privatsphäre:
„Wenn potenziell jedes mobile Endgerät eine Radarfunktion erhält und im Zusammenspiel mit der jeweiligen Basisstation die Personen und Objekte im Raum scannen und wahrnehmen kann, gibt es kaum noch Räume, in denen wir unbeobachtet sein können. Daher sollten wir den Einsatz dieser neuen Technik regeln, das Sinnvolle ermöglichen und das Gefährliche ausschließen.“
Forschung an Schutzmechanismen gegen Funküberwachung
Um einer lückenlosen Überwachung im Alltag vorzubeugen, arbeiten Wissenschaftler in Deutschland an technischen Abwehrmaßnahmen. Am Dresdner Barkhausen Institut entwickeln Forscher Sicherheitskonzepte nach dem Prinzip „Privacy by Design“.
Prototypen für Hard- und Software
Das Dresdner Team setzt dabei auf zwei konkrete Lösungsansätze:
- Physischer Schalter: Ein mechanischer Notausschalter am Endgerät soll die Sensorfunktion der verbauten Antennen bei Bedarf vollständig unterbrechen.
- Radar-Warnsystem: Eine Begleit-App soll Nutzer in Echtzeit alarmieren, sobald externe 6G-Basisstationen oder fremde Geräte einen Raum aktiv per Radar scannen.
Ziel der sächsischen Wissenschaftler ist es, diese Schutzmechanismen direkt in die internationalen Standardisierungsgremien einzubringen, bevor die Spezifikationen für das weltweite 6G-Netz endgültig festgeschrieben werden.
