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88 Basispunkte Risikoaufschlag: Frankreichs Schuldenkrise überholt Italien

Entwicklung der Renditen zehnjähriger französischer Staatsanleihen Aktuelle News

Die Renditen für französische Staatsanleihen steigen rasant an.

Die weltweiten Anleihemärkte geraten zunehmend unter Druck. Auslöser ist unter anderem der Schuldenberg der USA, der mittlerweile die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten hat. Durch die Verdopplung der US-Staatsschulden innerhalb von zehn Jahren stieg der Zinsaufwand der US-Regierung im laufenden Fiskaljahr um 15 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Dieser Trend treibt die Renditen langfristiger Anleihen international auf Höchststände, die an den Finanzmärkten seit Jahren nicht verzeichnet wurden. Vor allem in Europa zeigen sich nun deutliche Verwerfungen.

Zinsaufschlag übertrifft Italien: Frankreich unter Druck

Besonders angespannt ist die Lage in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Eurozone. Die Renditen zehnjähriger französischer Staatsanleihen notieren auf dem höchsten Niveau seit der globalen Finanzkrise.

zehnjährigen französischen Staatsanleihen
Renditeentwicklung zehnjähriger französischer Staatsanleihen

Der Risikoaufschlag französischer Papiere gegenüber deutschen Bundesanleihen kletterte auf mehr als 88 Basispunkte. Das markiert den höchsten Stand seit der Euro-Krise im Jahr 2012.

Damit liegt der französische Aufschlag vier Basispunkte über dem Wert, den Investoren für italienische Staatsanleihen verlangen. Frankreich muss Gläubigern somit höhere Zinsen bieten als das traditionell hoch verschuldete Italien.

Die französische Staatsverschuldung lag 2025 bei 115,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), während das Haushaltsdefizit 5,1 Prozent erreichte. Im ersten Quartal dieses Jahres kletterte die Schuldenquote bereits auf 117,5 Prozent, für 2027 prognostiziert die OECD knapp 121 Prozent.

Die Ratingagentur Standard & Poor’s stuft die Kreditwürdigkeit des Landes nur noch mit „A+“ ein. Gleichzeitig rechnet die OECD für 2026 mit einem schwachen Wirtschaftswachstum von lediglich 0,7 Prozent.

Politischer Stillstand verhindert Reformen

Die Umsetzung von Sparmaßnahmen wird durch die Blockadehaltung im Parlament erschwert. Die französische Nationalversammlung ist in drei nahezu gleich große Lager gespalten.

88 Basispunkte Risikoaufschlag: Frankreichs Schuldenkrise überholt Italien

Premierminister Sébastien Lecornu versucht derzeit, eine Mehrheit für den Haushaltsentwurf 2027 zu sichern. Vor den anstehenden Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr stoßen geplante Milliardenkürzungen bei der Opposition jedoch auf geschlossenen Widerstand.

Wahlkampfversprechen heizen Schuldenfurcht an

Führende Oppositionspolitiker wie Marine Le Pen vom Rassemblement National und Jean-Luc Mélenchon von La France Insoumise setzen auf gegenteilige Maßnahmen. Ihre Programme sehen Mehrausgaben zur Konjunkturbelebung, die Senkung des Renteneintrittsalters oder den teilweisen Erlass von Staatsschulden vor.

Auch die Aussetzung von Beitragszahlungen an die Europäische Union steht zur Debatte. Diese Ankündigungen verunsichern Investoren zusätzlich, da Le Pen gute Chancen auf einen Wahlsieg eingeräumt werden.

Verwundbarkeit der globalen Anleihenmärkte

Hohe Renditen in den USA ziehen weltweit Kapital ab und zwingen andere Staaten zu Zinsanhebungen. Anleihenexperte Mohamed El-Erian verweist auf die weltweite Vernetzung: Frankreich, Japan und Großbritannien zählen derzeit zu den drei verwundbarsten Ländern.

Für Frankreich droht eine Spirale: Steigende Zinsen verteuern den Schuldendienst, was wiederum neue Kredite erforderlich macht. Derzeit fließen jährlich über 60 Milliarden Euro in den Schuldendienst – fast so viel wie in den gesamten Bildungsetat.

Eine akute Eurokrise gilt dank der Interventionsmöglichkeiten der Europäischen Zentralbank dennoch als unwahrscheinlich. Philippe Riès, langjähriger Wirtschaftsjournalist bei Agence France-Presse, beschreibt die Lage: Frankreich sei ein Schiffswrack, das durch das Rettungsboot des Eurosystems über Wasser gehalten werde.