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92 Prozent für Red Bull: Warum in Brandenburg das Grundwasser knapp wird

Trockener Waldboden und gesunkener Grundwasserspiegel in Brandenburg Aktuelle News

Sinkende Grundwasserspiegel und industrielle Großprojekte verschärfen den Streit um Wasser in Brandenburg.

In der brandenburgischen Kleinstadt Baruth sinken die Pegelstände seit Jahren messbar. Während Gärten austrocknen und Bäume absterben, planen Großkonzerne den massiven Ausbau ihrer industriellen Wasserförderung direkt im Wasserschutzgebiet.

Großkonzerne sichern sich Millionen Liter Grundwasser

Rund 60 Kilometer südlich von Berlin füllen Red Bull und der österreichische Partner Rauch Mineralwasser ab. Die Unternehmen übernahmen den traditionsreichen Standort Anfang 2023 und planen nun eine neue Dosenfabrik samt Erweiterungsbauten.

Vom örtlichen Wasserwerk sind bereits heute 92 Prozent der genehmigten Fördermenge für die beiden Getränkeriesen reserviert. Den rund 4.300 Einwohnern von Baruth bleiben lediglich acht Prozent des Kontingents.

Die Industrie darf pro Jahr rechnerisch so viel Trinkwasser entnehmen, wie 57.000 Menschen verbrauchen würden. Täglich sind Entnahmen von bis zu sieben Millionen Litern genehmigt – zu vertraglichen Konditionen, die nicht öffentlich einsehbar sind.

Kritik an veralteten Gutachten und Geheimhaltung

Die rechtliche Grundlage für diese Verteilung stammt weitgehend aus den 1990er-Jahren. Hydrogeologin Irina Engelhardt von der TU Berlin warnt vor den Folgen: Grundwasserstände, Niederschlagsmuster und Landnutzung haben sich seither drastisch verändert.

Behördliche Monitoring-Unterlagen wurden teilweise geschwärzt, um Brunnenstandorte der Industrie zu schützen. Anwohner und Wissenschaftler fordern stattdessen transparente Messdaten und neue, unabhängige гидроgeologische Gutachten.

Andreas Marx, Leiter des Dürremonitors am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, kritisiert die Geheimhaltung: Wasser sei per Gesetz ein nicht eigentumsfähiges Gemeingut, weshalb alle Verträge öffentlich zugänglich sein müssten.

92 Prozent für Red Bull: Warum in Brandenburg das Grundwasser knapp wird

Tesla, Bergbau und die Spree unter Druck

Der Nutzungskonflikt beschränkt sich nicht auf Baruth. In Grünheide verbraucht die Gigafactory von Tesla jährlich bis zu 1,4 Millionen Kubikmeter Wasser, während kommunale Bauprojekte in der Region wegen Wassermangels zeitweise gestoppt wurden.

Im südbrandenburgischen Spremberg plant ein Bergbauunternehmen zudem den Abbau von Kupfer in 1.200 Metern Tiefe. Experten wie Geotechniker Michael Pfeifer warnen vor stark salz- und schwefelhaltigem Grubenwasser, das nur unzureichend gereinigt in die Spree gelangen könnte.

Zusätzlich fällt mit dem Kohleausstieg bis spätestens 2038 das bislang in die Spree gepumpte Tagebauwasser weg. In trockenen Sommermonaten könnte der Fluss künftig nur noch ein Viertel seiner bisherigen Wassermenge führen, was die Trinkwasserversorgung von Berlin direkt gefährdet.

Fehlende Gesetze für Dürrephasen

In den vergangenen 20 Jahren ist der Grundwasserspiegel in Teilen Brandenburgs bereits um zwei Meter abgesunken. Da das Bundesland 95 Prozent seines Trinkwassers aus unterirdischen Reservoirs bezieht, wächst der Handlungsdruck.

Technische Ansätze wie die künstliche Grundwasseranreicherung, bei der Überschusswasser aus Niederschlagsperioden unterirdisch gespeichert wird, könnten lokale Entlastung bringen. Allerdings fehlen in Deutschland bisher klare gesetzliche Kriterien, wie Wasser in Extremlagen zwischen Industrie, Landwirtschaft und Bevölkerung aufgeteilt werden muss – selbst der Begriff „Dürre“ ist im Wasserhaushaltsgesetz bislang nicht rechtlich definiert.