ADHS bei Kindern: Hessen verzeichnet 24 Prozent mehr Neudiagnosen – starker Anstieg bei Mädchen
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Immer mehr Kinder und Jugendliche in Hessen erhalten eine ADHS-Diagnose.
Die Zahl der neu diagnostizierten ADHS-Fälle bei Kindern und Jugendlichen in Hessen ist 2024 sprunghaft angestiegen. Landesweit erhielten rund 15.400 Heranwachsende erstmals den entsprechenden Befund.
Das entspricht einem Zuwachs von 24 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie aus dem aktuellen Kinder- und Jugendreport der DAK-Gesundheit hervorgeht. Damit übertrifft Hessen den bundesweiten Anstieg von 16 Prozent deutlich.
Immer häufiger werden Mädchen in Hessen mit ADHS diagnostiziert.
Aufmerksamkeitsstörungen nehmen überdurchschnittlich zu
Die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung zählt zu den häufigsten psychischen Diagnosen im Entwicklungsalter. Insgesamt befinden sich 4,8 Prozent aller Drei- bis 17-Jährigen in Hessen wegen ADHS in medizinischer Behandlung.
Ralf Moebus, hessischer Landesvorsitzender des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), rechnet mit einer anhaltenden Zunahme der Fallzahlen. Als Treiber nennt er eine wachsende Belastung im familiären Umfeld sowie unkritischen und übermäßigen Medienkonsum.
Die Datengrundlage der Erhebung bilden Abrechnungsdaten von rund 85.800 bei der DAK versicherten Kindern und Jugendlichen in Hessen. Ausgewertet wurden die Daten von der Universität Bielefeld und dem Analyseunternehmen Vandage.
Mädchen holen bei Neudiagnosen auf
In absoluten Zahlen betreffen die Neudiagnosen weiterhin überwiegend Jungen (10.200 Fälle). Allerdings verzeichnen Mädchen mit einem Plus von 32 Prozent (5.200 Fälle) einen wesentlich stärkeren Zuwachs als Jungen mit 20 Prozent.
Experten werten diesen Trend als Indiz für einen früheren Nachholbedarf, da die Symptome bei Mädchen oft unauffälliger verlaufen und deshalb jahrelang seltener erkannt wurden. Betroffen sind alle Altersstufen, am häufigsten jedoch Grundschulkinder im Alter von fünf bis neun Jahren.
Zusätzliche Belastung durch Sprach- und Entwicklungsdefizite
Neben ADHS steigen in Hessen auch andere Entwicklungsstörungen stark an. Laut dem aktuellen BARMER-Kinderatlas wiesen im Jahr 2023 rund 12,2 Prozent der Sechs- bis Zwölfjährigen eine Sprachentwicklungsstörung auf – ein Anstieg um 79 Prozent seit 2005.
Zudem registrierten Mediziner bei 3,3 Prozent der hessischen Grundschüler motorische Entwicklungsdefizite. Während bei Jungen Verhaltens- und Sprachauffälligkeiten dominieren, stehen bei heranwachsenden Mädchen vor allem Angststörungen und depressive Episoden im Vordergrund.

