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AfD bei über 40 Prozent: CDU schirmt Kanzler Merz im Ost-Wahlkampf ab

Friedrich Merz und Sven Schulze bei einem Termin in Sachsen-Anhalt Aktuelle News

Friedrich Merz absolviert Wahlkampftermine in Ostdeutschland weitgehend ohne direkten Bürgerkontakt.

Friedrich Merz besichtigt die Stiftskirche in Quedlinburg, trägt sich in das Goldene Buch ein und spricht mit Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze. Die Bilder dazu existieren fast ausschließlich in den sozialen Netzwerken. Direkter Kontakt zu Bürgern war bei dem Besuch nicht vorgesehen.

Auch beim anstehenden Termin im Chemiepark Leuna bleibt die Öffentlichkeit außen vor. Nach einem kurzen Pressestatement reist der Kanzler wieder ab. Ursprünglich geplante Großauftritte vor Publikum wurden gestrichen.

Zwischen Dom und Chemiewerk: Auftritte ohne Publikum

Die offizielle Begründung der Landes-CDU lautet, man habe die Planungen gemeinsam mit der Parteizentrale in Berlin konkretisiert. Es sei der Wunsch gewesen, Termine vor Ort wahrzunehmen, statt klassische Großveranstaltungen abzuhalten.

Sven Schulze formulierte es vor Journalisten noch deutlicher: Es sei der konkrete Wunsch der Partei vor Ort gewesen, das Programm so zu gestalten. Große Bühnen für den im Osten unpopulären Kanzler meidet der Landesverband bewusst.

Pfiffe und Proteste an der Ostseeküste

Welche Dynamik offene Auftritte entfalten können, zeigte sich kurz zuvor in Mecklenburg-Vorpommern. In Kühlungsborn flanierte Merz über die Strandpromenade und aß ein Fischbrötchen.

Obwohl die CDU den Termin kaum beworben hatte, versammelten sich zahlreiche Menschen. Neben Schaulustigen gab es lautstarke Pfiffe sowie Rufe wie „Kriegstreiber“, „Pinocchio“ und „Rücktritt“.

AfD bei über 40 Prozent: CDU schirmt Kanzler Merz im Ost-Wahlkampf ab

Umfrage-Kluft: AfD dominiert in Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt steht die CDU unter erheblichem Druck. Aktuelle Erhebungen von Infratest dimap und der Forschungsgruppe Wahlen sehen die AfD bei 40 bis 42 Prozent, während die Christdemokraten lediglich auf 22 bis 23 Prozent kommen.

Schulzes Strategie zielt deshalb darauf ab, den Fokus strikt auf Landespolitik zu lenken und Berliner Themen auszublenden. Bereits zum Wahlkampfauftakt auf dem Landesparteitag im Juni war Merz nicht anwesend.

Zudem ging Schulze mehrfach auf Distanz zur Bundespolitik. Gemeinsam mit weiteren Ministerpräsidenten kritisierte er Pläne zur Abschaffung der Rente mit 63 und sorgte mit gemeinsamen Auftritten mit Kabarettist Dieter Hallervorden für Irritationen in der Berliner Parteizentrale.

Innerhalb der Landes-CDU ist der Kurs umstritten. Kritiker bemängeln, dass die Abschottung von Merz dem Kanzler jede Möglichkeit nehme, seine Politik vor Ort zu erklären, und den Eindruck einer tief gespaltenen Partei verstärke.