AfD bei über 40 Prozent: Warum Sachsen-Anhalts CDU-Chef Sven Schulze der Absturz droht
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AfD bei über 40 Prozent: Warum Sachsen-Anhalts CDU-Chef Sven Schulze der Absturz droht
Der Wahlkampf in Sachsen-Anhalt steuert auf ein historisches Szenario zu. Während AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund mit populären Parolen und hoher Präsenz von Kundgebung zu Kundgebung eilt, kämpft Ministerpräsident Sven Schulze um das politische Überleben der Landes-CDU.
Sven Schulze im politischen Einsatz in Sachsen-Anhalt.
Der 47-jährige Schulze bringt Erfahrung als Wirtschaftsingenieur, Europaparlamentarier und Landesminister mit. Dennoch steht die CDU in Umfragen bei lediglich 22 bis 23 Prozent, während die AfD die 40-Prozent-Marke anvisiert.
Wunsch nach Wechsel nach 24 Jahren CDU-Führung
Nach fast einem Vierteljahrhundert CDU-Regierung ist das Verlangen nach einem Kurswechsel bei vielen Wählern spürbar gewachsen. Sachsen-Anhalt weist die älteste Bevölkerung aller Bundesländer auf und leidet besonders unter hohen Energiepreisen und Pendlkosten.
Zudem stecken zentrale Wirtschaftszweige wie die Chemieindustrie und die Automobilzulieferer in einer tiefen Krise. Für den ehemaligen Wirtschaftsminister Schulze bedeutet das anstrengende Detailarbeit im Krisenmanagement, während die Opposition einfache Antworten auf komplexe Probleme präsentiert.
Zu kurzer Vorlauf für einen echten Amtsbonus
Der Wechsel an der Regierungsspitze erfolgte für Schulze denkbar spät. Der langjährige und populäre Ministerpräsident Reiner Haseloff trat erst im Januar zurück.
Als Haseloff das Amt übergab, lag die CDU bei 26 Prozent. In der kurzen Zeit bis zur Wahl gelang es Schulze nicht, eine vergleichbare persönliche Bindung zu den Wählern aufzubauen, wie sie etwa Michael Kretschmer in Sachsen oder Dietmar Woidke in Brandenburg für ihren Wahlerfolg nutzten.
Belastung durch den Berliner Bundestrend
Rückenwind aus der Bundespolitik bleibt für Schulze aus. Die Koalition von Bundeskanzler Friedrich Merz steht bundesweit unter Druck und genießt in Ostdeutschland wenig Vertrauen.
Schulze geht deshalb auf Distanz zur Bundespartei. Er kritisiert öffentlich Berliner Reformpläne und vermeidet gemeinsame Wahlkampfauftritte mit dem Kanzler.
Spaltung der Landespartei und Koalitionsfragen
Erschwerend kommt die Zerrissenheit der Landes-CDU hinzu. In vielen Kommunen existieren Schnittmengen mit der AfD, was eine klare Abgrenzung an der Basis erschwert.
Widerstand gegen Kooperation mit der Linken
Sollte die CDU eine Zusammenarbeit mit der AfD weiterhin kategorisch ausschließen, bleibt rechnerisch kaum eine Alternative zur Duldung oder Minderheitsregierung unter Einbindung der Linkspartei. Die Linke signalisierte bereits Gesprächsbereitschaft bei inhaltlichen Zugeständnissen.
Innerhalb der CDU formiert sich dagegen offener Widerstand, wie ein Vorstoß aus dem Bezirksvorstand Harz gegen jegliche Absprachen mit der Linken belegt. Dieser Richtungsstreit lähmt die Mobilisierung an der Parteibasis unmittelbar vor dem Wahltag.

