AfD stärkste Kraft in Sachsen-Anhalt: CDU halbiert Ergebnis nach 24 Jahren Macht
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AfD stärkste Kraft in Sachsen-Anhalt: CDU halbiert Ergebnis nach 24 Jahren Macht
Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat ein politisches Beben ausgelöst. Die AfD erzielte mit Abstand die meisten Stimmen, während die CDU das historisch schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte im Bundesland einfuhr.
Für den amtierenden Ministerpräsidenten Sven Schulze (CDU) entwickelte sich der Wahlabend zum Desaster. Das CDU-Ergebnis von 2021 hat sich annähernd halbiert.
Historischer Absturz nach 24 Jahren an der Macht
Die Christdemokraten führen die Landesregierung in Magdeburg seit 24 Jahren in wechselnden Bündnissen an. Schulze hatte das Amt erst im Januar 2026 von seinem Parteikollegen Reiner Haseloff übernommen.
Bei der CDU-Wahlparty in einem Magdeburger Hotel herrschte um 18 Uhr nach den ersten Zahlen Schockstarre. Schulze räumte kurz darauf die schwere Niederlage ein und gratulierte der AfD zum Wahlsieg.
Die AfD feierte hingegen lautstark ihren Erfolg. Spitzenkandidat Ulrich Siegmund reklamierte den Regierungsauftrag direkt für sich, obwohl eine absolute Mehrheit seiner Partei rechnerisch unsicher blieb.
Der 35-jährige Siegmund schloss Koalitionen mangels Partnern aus, spekulierte im Fernsehen jedoch offen auf Überläufer aus anderen Fraktionen. Er wisse nicht, ob einzelne Abgeordnete künftig aus ihren Fraktionen ausscheren würden.
Offene Revolte: CDU-Politiker fordern Schulzes Rücktritt
Nicht einmal eine Stunde nach den ersten Hochrechnungen schlugen Schulze massive Rücktrittsforderungen aus den eigenen Reihen entgegen. Die CDU-Landtagsabgeordnete Eva Feußner forderte unverzügliche persönliche Konsequenzen und den Rücktritt vom Landesvorsitz.
Auch die Junge Union ging auf Konfrontationskurs zum Ministerpräsidenten. Der Landesvorstand des Parteinachwuchses verlangte den geschlossenen Rücktritt und eine zeitnahe Neuwahl der gesamten Landesführung.
Rückendeckung erhielt Schulze am Wahlabend vorerst nur von Innenministerin Tamara Zieschang. Sie erklärte, die CDU brauche jetzt Stabilität, das Ergebnis müsse jedoch lückenlos aufgearbeitet werden.
Interne Kritik an Schulzes Wahlkampfstrategie
Hinter den Kulissen hatte es in der sachsen-anhaltischen CDU bereits vor der Wahl rumort. Parteimitglieder kritisierten eine übermäßige Personalisierung der Kampagne auf Sven Schulze.
Zudem sorgte die Landesliste für Unmut: Unter den ersten 15 Plätzen befanden sich lediglich zwei Frauen. Auch Vorbehalte gegen eine mögliche Duldung durch Die Linke spalteten die Partei im Vorfeld.
Komplizierte Mehrheitsfindung in Magdeburg
Die Regierungsbildung in Sachsen-Anhalt steuert auf ein beispielloses Dilemma zu. Da keine andere Partei mit der AfD koalieren will, bliebe der CDU rechnerisch womöglich nur ein überaus knappes Vierer-Bündnis mit SPD, Grünen und der Linken.
Ein Schritt in Richtung Linkspartei gilt in der Union jedoch als rotes Tuch. Der stellvertretende Unionsfraktionschef Sepp Müller kommentierte die ersten Prognosen auf der Plattform X mit nur einem Wort: „Katastrophe!“.
In Sachsen-Anhalt haben außergewöhnliche Regierungsmodelle Tradition. In den 1990er-Jahren regierte die SPD im „Magdeburger Modell“ mit Duldung der PDS, 2016 entstand hier die bundesweit erste Kenia-Koalition.
Für die FDP endete der Abend mit dem parlamentarischen Aus. Mit dem Scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde verliert auch Lydia Hüskens ihren Posten als bundesweit letzte verbliebene FDP-Landesministerin.
