Alexander Skarsgård: Wie der Hollywood-Star die Grenzen der Herrenmode sprengt
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Alexander Skarsgård verwandelt den roten Teppich in sein persönliches Mode-Experiment.
Alexander Skarsgård hat sich eine neue Rolle gesucht: Er ist der Mann, der die Regeln der Männermode nach seinen eigenen Vorstellungen umschreibt.
Der schwedische Schauspieler zeigt sich in Oberschenkel-hohen Lederstiefeln, extrem kurzen Tartan-Shorts, Neckholder-Tops und glitzernden Hosen. Was früher als klassischer Red-Carpet-Dresscode galt, ist für ihn heute nur noch ein Spielplatz.
Sein aktueller, teils provokanter Kleiderstil harmoniert zwar perfekt mit seinem neuen BDSM-Drama Pillion, doch der Wandel begann schon viel früher. Der Film lieferte lediglich mehr Anknüpfungspunkte für seinen ohnehin schon verspielten Stil.
Schon lange vor der aktuellen Pressetour hinterfragte der Schauspieler konventionelle Männlichkeitsbilder. In Zusammenarbeit mit Stylist Harry Lambert beweist er eine bemerkenswerte Gleichgültigkeit gegenüber der Frage, ob ein Kleidungsstück traditionell „männlich“ oder „weiblich“ konnotiert ist.
Das Spiel mit den Geschlechterrollen
Die Wurzeln für dieses modische Selbstbewusstsein liegen weit zurück. Bereits 2016 sorgte Skarsgård bei den MTV Movie Awards für Aufsehen, als er in Abendgarderobe erschien, die untenherum kaum Stoff aufwies – ergänzt durch eine Inszenierung, in der er an einer Leine geführt wurde.
Fast zehn Jahre später ist sein Stil zwar raffinierter geworden, doch die Lust an der Provokation ist geblieben. Bei den Filmfestspielen in Cannes kombinierte er einen schwarzen Zweireiher mit auffälligen, glänzenden Saint-Laurent-Lederstiefeln. An anderer Stelle trug er eine klassische Jacke mit rosa Fliege und glitzernden blauen Hosen.
Auf dem BFI London Film Festival trug er ein Oberteil von Ludovic de Saint Sernin, das im Nacken als Neckholder gebunden war. Das Ergebnis: Schultern und Arme blieben frei, kombiniert mit einer engen schwarzen Lederhose. Skarsgård beweist: Die alte Grenze, was ein „echter Mann“ tragen darf, ist längst gefallen.
Der „Pillion“-Effekt: Wenn Provokation zum Stil wird
Mit der Rolle des Ray in Pillion, dem dominanten Anführer einer Motorradgang in einer BDSM-Beziehung, hat Skarsgård ein visuelles Thema gefunden, das seinem aktuellen Stil entspricht. Sein Kleiderschrank bedient sich nun verstärkt bei Fetisch-Ästhetiken.

Auf dem Zurich Film Festival trug er ein weißes Seidenhemd von Magliano, das mit Sexspielzeug bedruckt war. Bei anderen Gelegenheiten zeigte er sich in Vintage-Shirts mit expliziten Motiven oder konsequent in Leder.
Besonders medienwirksam war sein Auftritt im britischen Fernsehen bei Lorraine. Dort trug er eine beige Jacke kombiniert mit winzigen Tartan-Shorts von S.S. Daley. Auf die Frage nach seinem Outfit antwortete er trocken: „Ich wollte heute sexy sein. Es gibt nichts Sexieres als einen Mann mittleren Alters in einer britischen Schuljungen-Uniform.“
Die Reaktionen im Netz reichen von „skurril und heiß“ bis zu humorvollen Kommentaren, dass er die Kleidung am besten direkt ablegen sollte. Eines ist klar: Subtilität stand bei dieser Pressetour nicht auf dem Programm.
Jenseits der Metrosexualität
Skarsgårds Auftritte zeigen, wie sehr sich das Konzept der „Metrosexualität“ gewandelt hat. Was in den 2000ern als revolutionär galt, weil ein Mann sich für Kleidung interessierte, ist heute nur noch der Ausgangspunkt.
Der Schauspieler bewegt sich mühelos zwischen maskulinen und femininen Codes, ohne dass der Wechsel selbst zum krampfhaften Statement wird. Er genießt das Spiel mit Textilien und Formen einfach.
Vielleicht gibt es für den modernen Mann von heute keine feste Schublade mehr. Alexander Skarsgård jedenfalls zeigt, dass es keine Etiketten braucht, um die eigene Identität durch Mode auszudrücken.
