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Altbau-Kühlen mit 20 Grad kaltem Wasser: Zürcher Sanierung senkt Heizbedarf um 66 Prozent

Konvektor an einer Wand unter einem Fenster in einem sanierten Altbau Aktuelle News

Moderne Konvektoren ersetzen klassische Heizkörper und übernehmen im Sommer die Kühlung.

Massive Wände in Altbauten speichern im Hochsommer enorme Wärmemengen, wodurch Räume auch nachts kaum noch abkühlen. Herkömmliche mobile Klimageräte arbeiten oft ineffizient und treiben den Stromverbrauch in die Höhe. Ein saniertes Gebäude in Zürich zeigt, wie sich die vorhandene Heizungslogik zur effektiven Gebäudekühlung umfunktionieren lässt.

Konvektoren ersetzen klassische Heizkörper

Im Gebäude der Gewerkschaft Unia wurden die alten Radiatoren unter den Fenstern vollständig demontiert und durch moderne Konvektoren ersetzt. In den Sommermonaten zirkuliert durch deren Aluminiumlamellen Wasser mit einer Temperatur von rund 20 Grad Celsius.

Integrierte Kleinventilatoren führen die Raumluft an den kühlen Lamellen vorbei und verteilen sie gleichmäßig im Büro. Die Wassertemperatur wird dabei bewusst nicht weiter abgesenkt, um die Entstehung von schädlichem Kondenswasser an den Bauteilen zu verhindern.

Die Frischluft strömt über Wandöffnungen direkt in die Arbeitsbereiche und wird oberhalb der Türen abgesaugt, wodurch sperrige Deckentechnik überflüssig wurde. „Das Klima ist sehr viel angenehmer jetzt, es kommen sogar Leute von anderen Standorten, um hier zu arbeiten“, berichtet Mitarbeiterin Violetta Ruoss gegenüber dem Schweizer Sender SRF.

Heizen und Kühlen über dasselbe System

Im Winter nutzt das Gebäude dieselben Leitungen und Konvektoren für die Beheizung. Durch die optimierte Dämmung reicht dafür eine Vorlauftemperatur von lediglich etwa 26 Grad Celsius aus.

Durch die Umstellung sank der Verbrauch an Fernwärme im Objekt um rund zwei Drittel. Die jährlichen Stromkosten für den Betrieb der Kältemaschine belaufen sich auf rund 2.100 Euro, wovon eine Photovoltaikanlage auf dem Gebäudedach einen Teil direkt abdeckt.

Altbau-Kühlen mit 20 Grad kaltem Wasser: Zürcher Sanierung senkt Heizbedarf um 66 Prozent

Zentrale Kältetechnik statt Einzellösungen

Die Kälte für das System erzeugt eine zentrale Kältemaschine auf dem Dach. Vier Großventilatoren führen die Abwärme ab und blasen dabei bis zu 40 Grad heiße Luft nach außen.

Matthias Sulzer, Gebäudetechnikexperte an der Schweizer Forschungsanstalt Empa, hält diese Bauweise für deutlich nachhaltiger als dezentrale Klimaanlagen: „Auch diese Anlage führt zu Zusatzwärme, aber viel weniger als wenn sich alle je eine einzelne Kühlmaschine vor das Fenster hängen.“

Gebäudehülle als Voraussetzung

Das System funktioniert ausschließlich in Kombination mit einer sanierten Fassade und modernen Fenstern. Ohne diese Hülle würde zu viel Wärme eindringen und die Konvektoren überfordern.

Zusätzlich kommt es auf effektive Verschattung an. Gebäudetechniker Beat Kegel verweist darauf, dass außenliegende Markisen oder Rollläden die Wärmelast drastisch senken, bevor technische Systeme anspringen müssen. In ungedämmten Räumen steigen die Temperaturen bei Hitzewellen sonst schnell wochenlang über 30 Grad.

Für Sulzer verschiebt sich die Priorität der Gebäudetechnik grundlegend. Im Zürcher Projekt wird über das Jahr gerechnet mittlerweile mehr Energie für die Kühlung als für das Heizen aufgewendet. „Denn Kühlen ist das neue Heizen“, betont der Experte.