Amazon-Lager VGT3: Tausende Bücher für KI-Training zerschnitten und eingescannt
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Einblicke in die Digitalisierung und Erfassung von Buchbeständen bei Amazon.
In einer Amazon-Anlage in Las Vegas werden offenbar im großen Stil physische Bücher zerstört, um sie digital einzuscannen. Ein Mitarbeiter des Standorts VGT3 schilderte dem US-Magazin „404 Media“ detailliert die internen Abläufe.
Die betroffene Einrichtung befindet sich im selben Gebäudekomplex wie LAS8, wo Amazon unter anderem sein Print-on-Demand-Geschäft betreibt.
Systematisches Abtrennen der Buchrücken
Laut dem Informanten treffen täglich Lieferungen mit verschiedensten Werken ein – von fabrikneuen Ausgaben über gebrauchte Exemplare bis hin zu Bibliotheksbüchern und seltenen fremdsprachigen Schriften. Nach einer ersten Sichtung und Erfassung werden die Exemplare an spezielle Arbeitsstationen weitergeleitet.
Dort trennen Mitarbeiter die Bindungen der Bücher vollständig ab. „Wir haben auch gesehen, wie sie die Buchrücken abgeschnitten haben“, berichtete der Beschäftigte. Anschließend wandern die losen Papierseiten durch Hochleistungsscanner.
Nach dem Scanvorgang landen die ungebundenen Seiten unsortiert in großen Sammelbehältern. Eine nachträgliche Rekonstruktion oder Zuordnung der einzelnen Bände ist laut dem Bericht kaum noch möglich.
AirTag führte direkt zu Amazons VGT3-Zentrum
Die aktuellen Enthüllungen stützen vorherige Recherchen von „404 Media“. Das Magazin hatte zuvor eine Sendung von rund 1.000 Büchern eines Händlers verfolgt, in der ein Apple AirTag versteckt war.

Das Ortungssignal führte Ermittler und Journalisten direkt zum Amazon-Standort VGT3 nach Las Vegas.
Mitarbeiter vermutet Datensammlung für Sprachmodelle
Intern werde die Digitalisierung oft mit Kindle-Zwecken begründet. Der Insider bezweifelt diese Darstellung jedoch massiv und vermutet stattdessen Trainingsprozesse für generative KI-Modelle. Besonders kritisch bewertet er den Umgang mit vergriffenen Werken: Durch die Zerstörung werde die Zahl weltweit verfügbarer physischer Exemplare messbar verringert.
Die rechtliche Lage für das Scannen geschützter Werke zum KI-Training ist in den USA weiterhin ungeklärt. Das U.S. Copyright Office stellte in einem Bericht vom Mai 2025 klar, dass es bei der Anwendung der Fair-Use-Doktrin stets auf den Einzelfall ankomme.
Nach Einschätzung von Rechtsexperten der Kanzlei Skadden stuft die Behörde vor allem die kommerzielle Verwertung riesiger Mengen urheberrechtlich geschützter Daten als heikel ein – insbesondere wenn die daraus trainierten Systeme später in direkte Konkurrenz zu den Originalwerken treten.
