Ausgrabung bei Drackenstein: 90 Meter lange Römerstraße kreuzt Trasse der neuen A8
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Der geplante Trassenverlauf der A8 kreuzt die historische Alblimes-Straße bei Drackenstein im rechten Winkel.
Im Vorfeld des A8-Neubaus am Albaufstieg haben Archäologen bei Drackenstein ein rund 90 Meter langes Teilstück der antiken Alblimes-Straße freigelegt. Die Trasse verband in der Antike Rottweil mit Heidenheim an der Brenz und gehört zu den ältesten bekannten Verkehrswegen in Baden-Württemberg.
Massiver Kalkstein-Unterbau im 90-Grad-Winkel zur A8
Das freigelegte Straßensegment ist etwa fünf Meter breit. Während die eigentliche Fahrbahnoberfläche über die Jahrhunderte verloren ging, blieb das Fundament aus dicht gesetzten Kalksteinen der Schwäbischen Alb erhalten.

Markierter Verlauf der Alblimes-Straße und der geplanten A8 bei Drackenstein.
Milliardenprojekt am Albaufstieg
Die geplante Trasse der Autobahn 8 schneidet den römischen Verkehrsweg in einem exakten 90-Grad-Winkel. Für den 7,6 Kilometer langen Neubauabschnitt mit zwei Tunneln und zwei Brücken sind rund 1,4 Milliarden Euro veranschlagt.
Durch die Neubaustrecke verkürzt sich die bisherige Verbindung um 3,8 Kilometer, um eines der stauanfälligsten Nadelöhre im deutschen Autobahnnetz zu entschärfen.
Militärische Hauptachse der Provinz Germania Superior
Die Alblimes-Straße entstand nach Angaben des Landesamts für Denkmalpflege vermutlich im ersten Jahrhundert nach Christus unter Kaiser Vespasian. Sie bildete die Hauptverbindung innerhalb der damals neu eingerichteten römischen Provinz und verband wichtige Kastelle wie Urspring und Donnstetten.

Der Alblimes war keine geschlossene Grenzmauer, sondern ein System aus befestigten Stützpunkten. Mehr als ein Jahrhundert lang markierte diese Linie die Grenze des Römischen Reiches zum freien Germanien.
Keltische Siedlungsspuren und antike Raststation
René Wollenweber vom Landesamt für Denkmalpflege stuft das Ausgrabungsareal als „regionale Sensation“ ein. Neben eisernen Schuhnägeln römischer Legionäre und einer Bronzemünze – vermutlich mit dem Porträt von Kaiser Domitian – kamen noch deutlich ältere Schichten ans Licht.
Direkt unter dem Straßenkörper lag eine Bestattungsurne aus der späten Bronzezeit, aus der sich beim antiken Straßenbau eine bronzene Nadel gelöst hatte. Grabfunde und Hausgrundrisse belegen zudem eine vorrömische, keltische Besiedlung aus der Eisenzeit.
Zusätzlich entdeckten die Ausgräber Hinweise auf eine antike Straßenstation, die zum Pferdewechsel und zur Reparatur von Transportfuhrwerken diente. Rund zwei Drittel des Grabungsareals sind inzwischen erfasst; die Untersuchungen sollen planmäßig bis Ende 2026 laufen, ohne die Bauarbeiten der Autobahn GmbH zu verzögern.
