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Automobilkrise: Warum bis 2030 fast jeder dritte Job in der deutschen Autoindustrie verschwinden könnte

Ferdinand Dudenhöffer, Gründer des CAR-Instituts, spricht über die Zukunft der deutschen Automobilbranche. Aktuelle News

Ferdinand Dudenhöffer warnt vor weitreichenden Folgen für den Industriestandort Deutschland.

Der große Kahlschlag hat erst begonnen

Die deutsche Automobilindustrie steckt in einem strukturellen Umbruch, der für viele Beschäftigte existenzbedrohend ist. Laut Ferdinand Dudenhöffer, Gründer des CAR-Instituts, ist das bisherige Ausmaß der Kündigungen lediglich der Anfang einer weitaus größeren Entwicklung.

„Die Lawine hat noch längst nicht ihre volle Größe, sondern fängt erst an zu rollen“, warnt Dudenhöffer. Die amtlichen Zahlen von Destatis belegen den Trend: Während die Branche an ihrem historischen Höchststand rund 834.000 Mitarbeiter beschäftigte, sank diese Zahl im ersten Halbjahr 2026 auf nur noch 691.500. Das entspricht einem Rückgang von 5,8 Prozent innerhalb von nur zwölf Monaten.

Stellenabbau in den Konzernen: VW, BMW und Co.

Viele bereits angekündigte Sparmaßnahmen sind in den aktuellen Statistiken noch nicht vollständig abgebildet, da sie erst zeitversetzt wirksam werden. Die Liste der betroffenen Unternehmen ist lang:

  • Volkswagen: Konzernweit steht ein Abbau von rund 50.000 Stellen im Raum, allein bei der Volkswagen AG könnten bis 2030 etwa 35.000 Arbeitsplätze entfallen.
  • BMW: Hier plant der Konzern bis Ende 2027 den Wegfall von rund 8.000 Stellen.
  • Porsche: Bis 2035 sollen knapp 9.000 Stellen gestrichen werden.
  • Zulieferer: Bosch plant den Abbau von 13.000 Stellen im Bereich Mobility, während ZF seine Belegschaft in Deutschland bis Ende 2028 um bis zu 14.000 Mitarbeiter reduzieren will.

Experten sehen in diesem Kahlschlag eine systemische Krise, die sich in den kommenden Jahren weiter verschärfen dürfte.

Szenario 2030: Nur noch 500.000 Arbeitsplätze

Dudenhöffers Prognose für das Ende des Jahrzehnts ist düster: „Wenn es gut geht, wird die deutsche Autoindustrie bis 2030 bei etwa 500.000 Beschäftigten landen.“ Das würde bedeuten, dass innerhalb von vier Jahren fast 200.000 weitere Stellen verloren gehen – ein Einbruch von rund 28 Prozent gegenüber dem Stand von 2026.

Ob es so weit kommt, hängt von mehreren Faktoren ab: dem Erfolg der Elektromobilität, der weltweiten Nachfrage und der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Standorte. Ein Ende des Abwärtstrends ist laut Dudenhöffer derzeit nicht absehbar.

Die Gründe für den Niedergang

1. Standortkosten im internationalen Vergleich

Ein zentrales Problem sind die Arbeitskosten. Während eine Arbeitsstunde in der deutschen Autoindustrie rund 65 Euro kostet, liegt dieser Wert in Ungarn beispielsweise bei etwa 18 Euro. Kombiniert mit einer hohen steuerlichen Belastung verliert der Standort Deutschland seine Attraktivität für Investitionen.

Automobilkrise: Warum bis 2030 fast jeder dritte Job in der deutschen Autoindustrie verschwinden könnte

2. Mangel an neuen Investitionen

Zwar investieren Unternehmen wie Porsche weiterhin Milliarden in deutsche Werke, doch laut Dudenhöffer handelt es sich dabei oft nur um „Instandhaltungs-Investitionen“. Echte Kapazitätserweiterungen finden aufgrund der Rahmenbedingungen zunehmend im Ausland statt.

3. Die „Dark Factory“

Die fortschreitende Automatisierung unter Einsatz von Künstlicher Intelligenz – Dudenhöffer spricht von „Physical AI“ – ermöglicht den Betrieb von sogenannten „Dark Factories“. Diese Produktionshallen kommen durch den massiven Robotereinsatz ohne menschliche Beleuchtung und Personal aus. Dieser Trend wird den Personalbedarf selbst an bestehenden Standorten weiter drücken.

Während in Europa noch über Strategien debattiert wird, treibt China die Fabrikautomation konsequent voran.

4. Technologischer Rückstand

China hat sich zum Technologieführer bei Elektroautos und Software entwickelt. Dudenhöffer warnt eindringlich: „Wir verlieren in Deutschland auch das ‚Gehirn‘ des Autos und nicht nur die Produktion.“ Wenn die Entwicklung von Software und Elektronik in andere Märkte abwandert, verliert Deutschland die Kontrolle über die wichtigste Wertschöpfungskette moderner Fahrzeuge.

Vergleich mit der „Englischen Krankheit“

Dudenhöffer zieht einen historischen Vergleich zur wirtschaftlichen Schwäche Großbritanniens in den 1970er-Jahren. Er sieht Deutschland seit fast einem Jahrzehnt in einer ähnlichen Phase. Die Lösung liege in der Wiederherstellung der Kosten-Wettbewerbsfähigkeit. Ob dies gelingt, ist offen – fest steht lediglich, dass die deutsche Automobilindustrie vor einer historischen Schrumpfung steht.