Bäckerei Michely meldet Insolvenz an: Fast 100 Mitarbeiter und 8 Filialen im Norden betroffen
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SB-Backstationen in Supermärkten setzen traditionelle Handwerksbäckereien zunehmend unter Druck.
Nach 23 Jahren am Markt steht die traditionsreiche Handwerksbäckerei Michely vor dem wirtschaftlichen Aus. Der Betrieb aus dem schleswig-holsteinischen Stuvenborn hat ein vorläufiges Insolvenzverfahren beantragt.
Die Schieflage betrifft knapp 100 Beschäftigte. Das Unternehmen betreibt derzeit insgesamt acht Filialen in Hamburg, Neumünster sowie im Kreis Segeberg.
Verkauf geht weiter: Löhne vorerst gesichert
Der Betrieb in den Filialen wird trotz des Verfahrens ohne Unterbrechung fortgeführt. Die Gehälter der Belegschaft sind für die kommenden drei Monate über das Insolvenzgeld abgesichert.
Der vorläufige Insolvenzverwalter Dr. Thilo Streck prüft derzeit Sanierungsoptionen für das Unternehmen. Ziel ist es, Kündigungen und Filialschließungen durch eine Restrukturierung abzuwenden.
Kostendruck und verändertes Konsumverhalten
Als Hauptgründe für den Schritt nennt das Unternehmen stark gestiegene Energiekosten sowie spürbare Einnahmenrückgänge. Traditionelle Handwerksbetriebe geraten durch günstige Großanbieter und Discounter zunehmend in Bedrängnis.

Besonders die Preise locken immer mehr Kunden an die SB-Stationen im Supermarkt.
Im ersten Halbjahr 2026 kletterte die Zahl der Insolvenzen im Bäckerei- und Konditorenhandwerk um 40 Prozent auf 63 Fälle. Die Abwanderung der Kundschaft hin zu SB-Backstationen entzieht vielen Fachgeschäften die wirtschaftliche Basis.
Marktanteile verschieben sich zu Discountern
Laut Marktdaten sank der durchschnittliche Brotkauf privater Haushalte binnen weniger Jahre um 2,5 Kilogramm pro Jahr. Vor allem klassische Schnitt- und Toastbrote werden seltener nachgefragt, während Kleingebäck und Feingebäck zulegen.
Zwar schätzen 46 Prozent der Verbraucher weiterhin das Handwerk und die Qualität traditioneller Bäckereien, doch die Marktanteile der SB-Stationen wuchsen zuletzt um sechs Prozent, während klassische Betriebe im gleichen Maße verloren.

