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Bis zu 10 Prozent Zusatzstoffe: Warum Kartons im Gartenbeet Schaden anrichten

Ein herkömmlicher Versandkarton aus brauner Wellpappe Aktuelle News

Handelsübliche Versandkartons enthalten oft chemische Zusätze und Bindemittel.

Alte Versandkartons als Unkrautsperre oder Mulchschicht im Gartenbeet auszulegen, gilt in vielen Ratgebern als günstiger Geheimtipp. Die Annahme: Da Pappe aus Holzfasern besteht, verrottet sie einfach rückstandslos in der Erde.

Fachleute warnen jedoch vor dieser Praxis. Handelsübliche Kartons sind keineswegs reine Naturprodukte, sondern können erhebliche Mengen an Fremdstoffen freisetzen.

Versandkarton
Ein handelsüblicher Versandkarton

Versteckte Chemikalien in Wellpappe

Wie Ulrich Zang, Experte für Kompostierbarkeitsprüfungen, gegenüber dem MDR erklärte, handelt es sich bei Pappe um ein technisiertes Industrieprodukt mit komplexer Zusammensetzung.

Bis zu zehn Prozent des Materials können aus funktionellen Zusatzstoffen bestehen. Dazu gehören Nassfestmittel, Bindemittel, Leime sowie Füll- und Hilfsstoffe.

Hinzu kommen häufig Biozide, die Schimmel und Schädlingsbefall beim Transport verhindern sollen. Auch Klebestreifenreste und Druckfarben mit Mineralölanteilen gelangen über die Kartons direkt in das Erdreich.

Karton auf der Erde
Pappe direkt auf feuchtem Erdboden im Garten

Trügerische Siegel und Umweltfolgen

Selbst unbedruckte Kartonagen bieten keine Sicherheit vor unsichtbaren Beschichtungen oder synthetischen Fasern, die zu Mikroplastik zerfallen. Auch Umweltzeichen garantieren keine Eignung für den Boden.

Bis zu 10 Prozent Zusatzstoffe: Warum Kartons im Gartenbeet Schaden anrichten

Das Umweltzeichen „Blauer Engel“ bescheinigt lediglich die Herstellung aus Altpapier ohne Chlor oder optische Aufheller sowie einen Zusatzstoffanteil von unter fünf Prozent. Eine Freigabe zur Kompostierung stellt dies nicht dar.

Almut Reichart vom Umweltbundesamt stuft das Vergraben oder Auslegen von Verpackungsmaterial als Zweckentfremdung ein. Pappe sei ein wertvoller Sekundärrohstoff, der in den Recyclingkreislauf gehört.

Biologisch abbaubar bedeutet nicht kompostierbar

Zwischen den Begriffen besteht ein wesentlicher Unterschied:

  • Biologisch abbaubar: Das Material zerfällt durch biologische Prozesse in Elemente, wobei chemische Rückstände verbleiben können.
  • Kompostierbar: Der Stoff zersetzt sich vollständig zu reiner Komposterde ohne schädliche Rückstände.

Komposterde
Reife Komposterde im Garten

Ob eine Verpackung tatsächlich ohne Rückstände verrottet, lässt sich nur im Labor feststellen. Kartons gehören deshalb in die Altpapiertonne und nicht auf den Komposthaufen oder ins Gemüsebeet.