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Bis zu 1,2 Millionen junge Menschen in Deutschland machen weder Ausbildung noch Job

Ein junger Erwachsener blickt nachdenklich auf sein Smartphone Aktuelle News

Bis zu 1,2 Millionen junge Menschen in Deutschland befinden sich weder in Schule, Ausbildung noch im Beruf.

Rund zehn Prozent der 20- bis 24-Jährigen in Deutschland gehen weder einer geregelten Arbeit nach, noch absolvieren sie ein Studium oder eine Berufsausbildung. Sie sind auch nicht mehr Teil des regulären Schulsystems.

Zahlen der europäischen Statistikbehörde Eurostat bestätigen diesen Trend für die Altersgruppe der 15- bis 29-Jährigen mit einer Quote von 9,5 Prozent. Bezogen auf die bundesweit rund 13 Millionen Menschen dieser Altersklasse entspricht das bis zu 1,2 Millionen Personen.

In der Sozialforschung wird diese Gruppe als NEETs (Not in Education, Employment or Training) bezeichnet. Angesichts des wachsenden Fachkräftemangels wiegen diese Zahlen schwer.

Statistische Unschärfen bei Bürgergeld und Ausbildung

Die genaue Zusammensetzung dieser Gruppe ist schwer zu erfassen. Als ein Indikator gilt, dass rund 750.000 erwerbsfähige junge Menschen unter 25 Jahren in Deutschland Grundsicherung nach dem SGB II beziehen.

Bürgergeldempfänger sind jedoch nicht automatisch NEETs. Viele von ihnen befinden sich in Qualifizierungsmaßnahmen, absolvieren eine geförderte Ausbildung oder stocken ein geringes Einkommen auf.

Gleichzeitig blendet die Definition andere Lebensrealitäten aus: Wer Angehörige zu Hause pflegt oder sich autodidaktisch weiterbildet, gilt formal als NEET. Wer dagegen ohne Abschluss die Schulpflicht schwänzt, taucht in dieser Statistik oft gar nicht auf.

Bis zu 1,2 Millionen junge Menschen in Deutschland machen weder Ausbildung noch Job

Ursachen für den Rückzug aus dem System

Die Gründe für das Phänomen sind vielfältig. Neben Bildungsbarrieren, gesundheitlichen Einschränkungen, Sprachproblemen und sozialer Benachteiligung spielen zunehmend veränderte Lebensentwürfe eine Rolle.

Die traditionelle Erwartung, nahtlos von der Ausbildung in ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis zu wechseln, hat in manchen Milieus an Bedeutung verloren. Das gesellschaftliche Leistungsprinzip verliert dort seine einende Bindekraft.

Die Rolle der digitalen Bestätigung

Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung ist das digitale Umfeld. Die virtuelle Welt stellt das Individuum in das Zentrum der eigenen Wahrnehmung und belohnt Aktivitäten unmittelbar per Klick.

Diese Mechanismen können emotional unabhängig vom Urteil des realen Umfelds machen. Soziale Anerkennung, die früher primär über Ausbildung und Berufserfolg gesucht wurde, wird zunehmend im Netz generiert.

Notwendige Maßnahmen gegen den Trend

Um diese jungen Menschen wieder zu erreichen, fordern Experten gezielte Förderprogramme, praxisnahe Bildungsinitiativen und intensivere psychosoziale Betreuung. Gleichzeitig brauche es eine klare gesellschaftliche Verständigung darüber, welche Pflichten und Werte für das Zusammenleben verbindlich bleiben sollen.