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Bis zu 13,2 Prozent Rentenabschlag und Kliniknotstand: Was Bürger in Sachsen-Anhalt bewegt

Imbritt und Rudolf Schröder aus Hohenerxleben Aktuelle News

Imbritt und Rudolf Schröder fordern bessere Bedingungen im Gesundheitssystem und gerechte Renten.

Vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt blickt das gesamte Land auf das politische Stimmungsbild. Jenseits von Parteitaktik und Wahlkampfprogrammen bestimmen persönliche Erfahrungen mit Pflege, Altersvorsorge und wirtschaftlicher Unsicherheit die Entscheidungen an der Wahlurne.

Imbritt und Rudolf Schröder, Hohenerxleben
Imbritt und Rudolf Schröder in Hohenerxleben.

Gesundheitsversorgung und Rentenabzüge im Fokus

Für Rudolf Schröder aus Hohenerxleben rückte die Landespolitik nach einem überstandenen Herzinfarkt in ein neues Licht. Auf der Intensivstation erlebte der 67-Jährige die personelle Unterbesetzung hautnah mit, als nachts nur zwei Fachkräfte im Einsatz waren.

Neben der geforderten Abkehr von rein profitorientierten Kliniken belastet das Ehepaar das Rentensystem. Trotz 46 Berufsjahren auf dem Bau muss Rudolf Schröder Rentenabschläge von 10,2 Prozent hinnehmen. Ehefrau Imbritt kommt nach 45 Beitragsjahren und 28 Jahren Schichtdienst sogar auf ein Minus von 13,2 Prozent.

Metallunternehmer Tim Gruse ist CDU-Anhänger, fordert aber ein Zugehen auf die AfD
Metallunternehmer Tim Gruse aus Teutschenthal.

Unternehmer fordern klare wirtschaftliche Kante

Im Mittelstand wächst die Kritik an möglichen Bündnissen traditioneller Parteien. Tim Gruse, Metallbau-Unternehmer aus Teutschenthal, sieht eine reine Ausgrenzungspolitik kritisch und verlangt verbindliche wirtschaftspolitische Kernpositionen von den konservativen Kräften.

Gruse fordert von den Parteispitzen klare Zusagen, welche wirtschaftsfreundlichen Punkte in Koalitionsverhandlungen nicht verhandelbar sind.

Heinrich Dieter Funke zu Wahl in Sachsen-Anhalt
Heinrich Dieter Funke zur Situation vor der Landtagswahl.

Abwanderung und Stillstand in kleineren Kommunen

In Güsten schrumpfte die Bevölkerung seit 1990 von knapp 5000 auf unter 4000 Einwohner. Annerose Popowski sieht darin eine direkte Folge fehlender Industrie und mangelnder Ausbildungsplätze in der Fläche.

Die 68-Jährige fordert zielgerichtete Anreize zur Ansiedlung von Gewerbebetrieben, um junge Menschen in der Region zu halten und eine dauerhafte Verödung des ländlichen Raums abzuwenden.

Stefanie Klier, Leuna
Stefanie Klier aus Leuna.

Existenzsorgen und sinkende Reallöhne

In der Chemieregion Leuna belasten steigende Kraftstoffpreise, Wohnkosten und Lebensmittelpreise die Mittelschicht. Krankenkassenangestellte Stefanie Klier berichtet von massiven Unsicherheiten im persönlichen Umfeld, wo die Vorsorge fürs Alter mit den laufenden Lebenshaltungskosten kollidiert.

Bis zu 13,2 Prozent Rentenabschlag und Kliniknotstand: Was Bürger in Sachsen-Anhalt bewegt

Klier vermisst in der aktuellen Bundes- und Landespolitik den Bezug zum Alltag der arbeitenden Bevölkerung.

Ulrich, Güsten
Rentner Ulrich aus Güsten.

Der 75-jährige Ulrich aus Güsten bezieht nach 46 Arbeitsjahren 1400 Euro Rente, während seine Frau nach vier Jahrzehnten Arbeit 740 Euro monatlich erhält. Die Diskrepanz zwischen eigenen Bezügen und staatlicher Unterstützung für Nicht-Erwerbstätige schürt bei ihm massive Verbitterung.

Michael Behrens, Naumburg
Michael Behrens, Unternehmer aus Naumburg.

Wirtschaftliche Schieflage und überlastete Verwaltung

Michael Behrens, Unternehmer aus Naumburg, verweist auf die harten Fakten: Laut Statistischem Landesamt schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt in Sachsen-Anhalt im Jahr 2025 preisbereinigt um 0,2 Prozent, während die bundesweite Wirtschaft um 0,2 Prozent zulegte.

Behrens kritisiert die Instabilität der Rahmenbedingungen durch die Energiewendepolitik und lehnt Zugeständnisse an linke Regierungspartner entschieden ab.

Ulf Rödiger
Pfarrer Ulf Rödiger aus Groß Rosenburg.

In Groß Rosenburg beobachtet Pfarrer Ulf Rödiger eine zunehmende Gereiztheit im Alltag. Seit 26 Jahren im Dienst, hat sich die Gemeindegröße in seinem Pfarrbereich auf rund 330 Mitglieder nahezu halbiert.

Rödiger sieht langwierige bürokratische Prozesse und Risikoängste in den Behörden als Hauptursache für das schwindende Vertrauen der Bürger in staatliche Institutionen.

Ulf Rödiger zur Wahl in Sachsen-Anhalt
Ulf Rödiger über gesellschaftliche Stimmungen im ländlichen Raum.