Bis zu 150.000 Oktopusse gegen die Blaukrabbe: Italien startet Großversuch in der Adria
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Italienische Meeresbiologen untersuchen die Ausbreitung der invasiven Blaukrabbe an der Adriaküste.
Die invasive Blaukrabbe bedroht die Muschelzucht und Fischerei an der italienischen Adriaküste massiv. Um den Schädling einzudämmen, setzen Meeresbiologen der Università di Bologna auf eine biologische Gegenmaßnahme: Sie siedeln gezielt heimische Gemeine Oktopusse (Octopus vulgaris) im offenen Meer an.
Das unter Beteiligung der Region Emilia-Romagna gestartete Projekt „Octo-Blu“ läuft seit 2024. Nach knapp zwei Jahren Vorbereitung und Zucht im Labor begann die Auswilderung der Jungtiere vor den Küstenorten Riccione und Cesenatico.
Projekt „Octo-Blu“: Bis zu 150.000 Oktopusse für die Adria
Nach Angaben des Projektforschers Antonio Casalini sollen bis Ende August zwischen 100.000 und 150.000 junge Oktopusse im Meer platziert werden. Die Wissenschaftler wollen prüfen, ob der natürliche Räuber den Bestand der Blaukrabben messbar verringern kann.
Projektleiter Oliviero Mordenti betont die ökologische Funktion des Kopffüßers bei der Regulierung mariner Nahrungsketten. Ob die freigesetzten Jungtiere in ausreichender Zahl überleben und die Krabben dezimieren, wird der laufende Freilandversuch zeigen.
Strukturlose Sandböden erschweren das Überleben
Ein Hindernis für den Oktopusnachwuchs ist die Topografie der nördlichen Adria. Oktopusse benötigen strukturierte Meeresböden und Felsspalten als Versteck vor Fressfeinden, die Küste vor Emilia-Romagna besteht jedoch überwiegend aus Sandböden.

Die Forscher setzen die Jungtiere daher gezielt in der Nähe künstlicher Unterwasserbarrieren aus. Diese Strukturen sollen den jungen Tintenfischen Schutz bieten, bis sie groß genug sind, um selbst aktiv Jagd auf Krabben zu machen.
Enorme Fruchtbarkeit und Appetit bei 25 bis 28 Grad
Die Blaukrabbe stammt von der Westküste des Atlantiks und wurde 1949 erstmals bei Grado im Golf von Venedig registriert. Während sie jahrzehntelang unauffällig blieb, explodierten die Populationen im Mittelmeerraum seit den 2000er-Jahren.
Kartendarstellung der beiden Fangorte für Blaukrabben an der nördlichen Adriaküste im Bevano-Delta und bei Cesenatico.
Laborversuche mit 250 gefangenen Tieren aus dem Bevano-Delta und von Cesenatico zeigten, dass Blaukrabben besonders bei Wassertemperaturen zwischen 25 und 28 Grad Celsius enorme Mengen an Manila- und Miesmuscheln vertilgen. Bei kühlerem oder noch wärmerem Wasser ging die Nahrungsaufnahme zurück.
Hinzu kommt das enorme Fortpflanzungspotenzial: Weibliche Blaukrabben tragen im Schnitt 1,6 Millionen Eier, Einzelexemplare produzierten im Labor bis zu 2,7 Millionen Eier. Ob die Oktopusse diesen Reproduktionsvorteil ausgleichen können, wollen die Forscher in den kommenden Monaten zusammen mit lokalen Fischern analysieren.

