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Bis zu 160 Liter Regen: DWD warnt vor extremem Unwetter und Hochwasser in Süddeutschland

Hochwasser und überflutete Uferpromenade in Süddeutschland nach starkem Dauerregen Aktuelle News

Einsatzkräfte sichern überflutete Uferbereiche im Süden Deutschlands nach extremen Niederschlagsmengen ab.

Aktuelle Warnlage des Deutschen Wetterdienstes für Bayern und Baden-Württemberg

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat für weite Teile Süddeutschlands amtliche Unwetterwarnungen der Stufen 3 (Rot) und vereinzelt 4 (Dunkelrot) herausgegeben. Betroffen sind vor allem die Regionen südlich der Donau, das Allgäu, das bayerische Alpenvorland sowie Teile des Schwarzwaldes und Oberschwabens.

Meteorologen prognostizieren innerhalb von 24 bis 48 Stunden gebietsweise Niederschlagssummen zwischen 80 und 120 Litern pro Quadratmeter. In Staulagen der Alpen und des Bayerischen Waldes können punktuell Spitzenwerte von bis zu 160 Litern pro Quadratmeter erreicht werden.

Die Kombination aus lang anhaltendem Dauerregen und eingelagerten konvektiven Starkregenzellen erhöht das Risiko von Sturzfluten und Erdrutschen massiv. Kommunale Krisenstäbe und Rettungskräfte bereiten sich auf flächendeckende Einsätze vor.

Meteorologische Ursachen: Die Dynamik der Vb-Wetterlage

Verantwortlich für die extremen Wassermassen ist ein Tiefdruckkomplex, der feucht-warme Luftmassen aus dem Mittelmeerraum über Italien und Österreich direkt an die Nordseite der Alpen führt. Diese klassische Vb-Zugbahn (sprich: Fünf-B) transportiert überdurchschnittlich viel Feuchtigkeit nach Mitteleuropa.

Beim Auftreffen dieser Luftmassen auf die Gebirgszüge der Alpen und Mittelgebirge setzt der sogenannte Luv-Effekt ein. Die Wolken werden zum Aufsteigen gezwungen, kühlen ab und regnen sich über engen geografischen Räumen kontinuierlich ab.

Der physikalische Hebel: Warum Starkregenereignisse intensiver werden

Die Intensität dieser Niederschläge hängt eng mit der thermodynamischen Beschaffenheit der Atmosphäre zusammen. Gemäß der Clausius-Clapeyron-Gleichung kann Luft pro Grad Celsius Erwärmung etwa sieben Prozent mehr Wasserdampf aufnehmen.

Trifft diese wassergesättigte Luftmasse auf ohnehin feuchte Böden, sinkt die Infiltrationskapazität des Erdreichs auf null. Nahezu 100 Prozent des fallenden Regens fließen oberflächlich ab und gelangen direkt in Bäche und Flusssysteme.

Pegelstände und Hochwasserrisiko an Donau, Iller und Nebenflüssen

Der Hochwassernachrichtendienst (HND) Bayern und die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) melden an zahlreichen Pegeln das Überschreiten der Meldestufen 2 und 3. Bei Erreichen der Meldestufe 3 werden bereits bebaute Grundstücke und Keller überflutet sowie Verkehrsverbindungen gesperrt.

Besonders kritisch ist die Lage an den Zuflüssen zur Donau: Iller, Lech, Isar und Inn verzeichnen steile Anstiege ihrer Wasserstände. In Städten wie Passau, Kempten und Günzburg wurden Hochwasserschutzwände aufgebaut und mobile Spundwände verankert.

  • Meldestufe 3: Überflutung einzelner bebauter Grundstücke oder größerer Infrastruktureinrichtungen; Sperrung von überörtlichen Verkehrsverbindungen.
  • Meldestufe 4: Größere Flächenüberflutung, Einsatz von Deichwachen und gezielte Evakuierungsmaßnahmen in Gefahrenzonen.

Die Behörden haben gezielt kontrollierte Flutpolder und Rückhaltebecken aktiviert, um Scheitelwellen abzufangen und dicht besiedelte Talabschnitte flussabwärts vor Überschwemmungen zu schützen.

Verkehr und Infrastruktur: Ausfälle bei Bahn und Straßennetz

Die Unwetterlage führt zu spürbaren Störungen im regionalen und überregionalen Verkehrsnetz. Die Deutsche Bahn meldet Streckensperrungen wegen unterspülter Gleisbetten, umgestürzter Bäume und Geröllabgängen, insbesondere auf Nebenstrecken im Alpenvorland und im Schwarzwald.

Auch Autobahnen und Bundesstraßen sind punktuell von Aquaplaning und lokalen Überflutungen betroffen. Die Autobahnmeistereien sperren tieferliegende Unterführungen und überwachen Talbrücken auf windbedingte Seitenböen.

Der Flugverkehr an den Drehkreuzen München und Stuttgart muss mit wetterbedingten Verzögerungen und Abfertigungsstopps bei Bodenblitzen rechnen.

Sicherheitsmaßnahmen und Verhaltensempfehlungen

Die Katastrophenschutzbehörden warnen die Bevölkerung über modulare Warnsysteme wie NINA, Katwarn und Cell Broadcast vor akuten Gefahren. Bürgerinnen und Bürger in Risikogebieten sollten den Anweisungen der Rettungskräfte strikt Folge leisten.

Aufenthalte in Tiefgaragen, Kellern und Souterrainwohnungen sind bei rasch ansteigendem Wasser lebensgefährlich, da Türen durch Wasserdruck unpassierbar werden können und Stromschläge drohen. Zudem sollten überflutete Straßen keinesfalls mit dem Fahrzeug befahren werden, da bereits geringe Wassertiefen die Manövrierfähigkeit aufheben.

Einsatzkräfte appellieren an Anwohner, lose Gegenstände im Außenbereich zu sichern, Rückstauklappen im Haus zu prüfen und sich kontinuierlich über offizielle Pegelportale und Warn-Apps zu informieren.