Zum Inhalt springen
On Air Festival

Bis zu 210 Vogelarten: Seltenes Blaukehlchen rastet in NRW-Schutzgebiet

Ein weißsterniges Blaukehlchen auf einem Ast in der Natur Aktuelle News

Ein weißsterniges Blaukehlchen sitzt auf einem Ast in freier Natur.

Ein weißsterniges Blaukehlchen auf einem Stock in freier Natur.
Ein weißsterniges Blaukehlchen auf einem Stock in freier Natur.

Ein weißer Stern auf leuchtend blauer Kehle und ein rostrot gefächerter Schwanz zeichnen das Blaukehlchen aus. Wenn sich dieser scheue Singvogel im Röhricht am Südrand von Bielefeld zeigt, zieht er Naturbeobachter gezielt an.

Das Tier gehört zu den auffälligsten Durchzüglern in den Rieselfeldern Windel. Insgesamt lassen sich in dem ostwestfälischen Areal bis zu 210 verschiedene Vogelarten nachweisen.

Rastplatz für seltene Zugvögel auf 60 Hektar

Als Brutvogel schlägt das weißsternige Blaukehlchen hier keine Nester auf. Laut der Stiftung Rieselfelder Windel erscheint die Art ausschließlich als Gast auf dem Vogelzug – vor allem zwischen Ende März und Anfang Mai sowie im Spätsommer von August bis September.

Die Wintermonate verbringen die kleinen Vögel in Nord- und Zentralafrika. Das Feuchtgebiet bietet ihnen auf dem langen Flug eine verlässliche Nahrungs- und Rastquelle.

Im gesamten Reservat brüten nach Stiftungsangaben 73 Vogelarten, wovon 16 auf der Roten Liste NRW verzeichnet sind. Weitere 137 Gastvogelarten nutzen die Wasserflächen zur Rast oder Überwinterung.

Teichrohrsänger, Wasserralle und seltene Libellen

Im dichten Schilf brüten spezialisierte Arten. Mit bis zu 25 Brutpaaren beherbergt das Gebiet das größte Vorkommen des Teichrohrsängers im Bielefelder Stadtgebiet. Ebenso stark vertreten sind Rohrammern.

Der Schilfrohrsänger (Acrocephalus schoenobaenus) in freier Natur
Der Schilfrohrsänger in freier Natur.

Versteckt im Röhricht lebt die stark gefährdete Wasserralle, während auf den offenen Teichen der landesweit bedrohte Zwergtaucher schwimmt. Regelmäßig jagen Eisvögel knapp über der Wasseroberfläche, und Silberreiher staksen durch seichte Abschnitte. Im Herbst überqueren Kranichzüge das Gebiet, vereinzelt rastet auch der Fischadler am großen Teich.

An flachen Wasserstellen jagen Insekten wie die Plattbauchlibelle. Im renaturierten Reiherbach hat sich die Gebänderte Prachtlibelle angesiedelt. Zur Laichzeit im Frühjahr wandern zudem Erdkröten sowie Gras- und Grünfrösche in großer Zahl zu den Gewässern.

Landschaftspflege durch Heidschnucken

Um das Grünland für Wiesenvögel offen zu halten, setzt das Schutzgebietsmanagement auf Beweidung. Eine Herde Weißer Gehörnter Heidschnucken – eine selbst bedrohte Nutztierrasse – hält den Bewuchs kurz.

An warmen Tagen prägen Rufe zahlloser Wasserfrösche die Geräuschkulisse am zentralen Pumpenteich.

Rundwege und Zugang für Besucher

Zwei mit Kiebitz-Symbolen markierte Rundwege erschließen das Areal: Die Südschleife umfasst knapp drei Kilometer, die Nordschleife rund 2,5 Kilometer. Beide Pfade verlaufen über unbefestigten, sandigen Boden. Mehrere Aussichtstürme ermöglichen den Blick über Teiche und Verlandungszonen.

Für mobilitätseingeschränkte Personen gibt es eine barrierefreie Plattform an der asphaltierten Straße Niederheide, die Einsicht auf den großen Teich gewährt. Auf dem gesamten Gelände gilt Leinenpflicht für Hunde sowie das Gebot, auf den befestigten Pfaden zu bleiben.

Der Ursprung der Rieselfelder geht auf das Jahr 1938 zurück, als die Textilfirma Windel begann, ihr industrielles Abwasser auf den Flächen zu verrieseln. Bis auf zwei natürliche Bäche entstanden alle Gewässer künstlich. Seit 2014 ist das rund 60 Hektar große Areal als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Startpunkt für Besucher ist das Informationszentrum an der Niederheide in Bielefeld-Senne.