Zum Inhalt springen
On Air Festival

Bis zu 30 % mehr Ertrag: Landwirte in Australien düngen Äcker mit Altglas

Bis zu 30 % mehr Ertrag: Landwirte in Australien düngen Äcker mit Altglas Aktuelle News

Bis zu 30 % mehr Ertrag: Landwirte in Australien düngen Äcker mit Altglas

In Australien erproben Agrarbetriebe ein neuartiges Verwertungskonzept für Glasabfälle. Fein zerkleinertes Altglas wird auf Acker- und Grünlandflächen ausgebracht, um Nährstoffe zu mobilisieren und den Einsatz synthetischer Düngemittel zu verringern.

Das Material liefert hohe Mengen an Silizium. Erste Erfahrungsberichte aus der Praxis zeigen bereits spürbare Effekte auf das Pflanzenwachstum und die Tierleistung.

Herstellung in Brisbane: 20 Tonnen Glasgranulat pro Woche

Das Ausgangsmaterial für den siliziumreichen Bodenverbesserer stammt aus dem Rücknahmesystem „Containers for Change“ im Bundesstaat Queensland. In Brisbane wurde dafür eine Verarbeitungsanlage im Wert von rund 4 Millionen Australischen Dollar errichtet.

Dort zerkleinern große, mit Keramik ausgekleidete Trommeln und Keramikkugeln die gesammelten Flaschen. Pro Woche entstehen derzeit rund 20 Tonnen des Endprodukts, das je nach Einsatzzweck als feines, talkumähnliches Pulver oder als Granulat ausgeliefert wird.

Chemischer Mechanismus: Silizium löst Phosphat

Der australische Agronom David Archer erklärt die Funktionsweise des Glaspulvers über die enthaltenen Siliziumverbindungen. Silizium stärkt demnach die pflanzeneigenen Abwehrmechanismen gegen Schädlinge, Pilzerkrankungen sowie Trockenstress.

Ein entscheidender Hebel liegt in der Bodenbiologie: Das eingebrachte Silizium bindet im Boden vorliegendes Eisen. Dadurch wird zuvor fest gebundenes Phosphat freigesetzt und gelangt direkt an die Wurzeln der Nutzpflanzen.

Breites Spektrum an Einsatzbereichen

Die Landwirte nutzen das Recyclingmaterial auf unterschiedliche Weise. Einige Betriebe rühren das Glaspulver mit Wasser an und spritzen die Suspension auf die Bestände, während andere das trockene Granulat streuen.

Der Einsatz erfolgt bislang im Weizen- und Getreideanbau, in Weinbergen, auf Apfel- und Zuckerrohrplantagen sowie auf Weideflächen von Milchvieh- und Rindermastbetrieben.

Für alle, die Landwirtschaft leben
Für alle, die Landwirtschaft leben

Praxisergebnisse: Höhere Zunahmen und mehr Biomasse

Agronom Peter Norwood berichtet von beobachteten Steigerungen des Pflanzenwachstums und der Flächenproduktivität um 25 bis 30 Prozent. Die verbesserte Nährstoffaufnahme senke parallel den Bedarf an herkömmlichem Mineraldünger.

Praktische Resultate meldet auch der Rinderhalter Tony Donovan, der in der Region Warrnambool einen Betrieb mit 14.000 Hektar führt. Nach der Ausbringung auf rund einem Drittel seines Grünlands stiegen die täglichen Winter-Gewichtszunahmen der Weiderinder von zuvor 0,7 bis 0,8 Kilogramm auf 1,4 bis 2,0 Kilogramm je Tier.

Angesichts hoher Importkosten und instabiler Lieferketten für konventionelle Mineraldünger gilt das Recyclingverfahren in Australien als strategisch relevante Nährstoffquelle. Unabhängige wissenschaftliche Versuche müssen nun belegen, ob sich die Resultate auf unterschiedlichen Bodentypen verlässlich wiederholen lassen.