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Bis zu 400 Meter tief: Zeitplan für NRW-Milliardenprojekt an Tagebauen Hambach und Garzweiler wackelt

Neuer See in NRW im ehemaligen Braunkohleabbau Garzweiler Aktuelle News

Im ehemaligen Braunkohletagebau Garzweiler soll in den kommenden Jahrzehnten ein riesiger See entstehen.

Aus den gewaltigen Braunkohlegruben im Rheinischen Revier sollen gigantische Gewässer entstehen. Doch der Zeitplan für das Jahrhundertprojekt gerät ins Wanken.

Umweltverbände bezweifeln zunehmend, dass sich die Tagebaue Hambach und Garzweiler wie geplant mit Rheinwasser füllen lassen. Der Grund liegt im fortschreitenden Klimawandel und den sinkenden Pegelständen des Flusses.

neuer See in NRW im ehemaligen Braunkohleabbau Garzweiler
Neuer See im ehemaligen Braunkohleabbau Garzweiler.

Eine 45-Kilometer-Leitung soll das Rheinwasser liefern

Das Konzept sieht vor, das benötigte Wasser über eine rund 45 Kilometer lange Pipeline direkt aus dem Rhein in die riesigen Restlöcher zu leiten. Die Trasse soll ab 2030 einsatzbereit sein.

Der NABU NRW sieht darin ein erhebliches Risiko für das Ökosystem des Stroms. Entnahmen bei extremem Niedrigwasser könnten den Fluss ökologisch weiter schwächen und die Schifffahrt zusätzlich behindern.

Sinkende Schmelzwassermengen aus den Alpen

Langfristig droht dem Rhein im Sommer der Zufluss aus schmelzenden Alpengletschern wegzubrechen. Dies zeigte sich bereits in Dürrephasen, in denen Flussabschnitte drastische Niedrigwasserstände erreichten.

Bei normalem Wasserstand dürfen bis zu 18 Kubikmeter Wasser pro Sekunde für die Tagebaue abgezweigt werden. Fällt der Pegel stark ab, schrumpft diese erlaubte Menge auf lediglich ein Zehntel zusammen.

Eine Illustration zeigt den neuen „Hambachsee“ in NRW samt Rad- und Spazierweg namens „Hambach Loop“.
Illustration des geplanten Hambachsees inklusive Rundweg „Hambach Loop“.

Sorge um Schadstoffkonzentration und Zeitplan

Neben der reinen Wassermenge bereitet den Naturschützern auch die chemische Beschaffenheit Sorgen. Bei Niedrigwasser steigt die Schadstoffkonzentration im Rhein deutlich an, was die spätere Gewässergüte der Restseen beeinträchtigen könnte.

Sowohl der NABU als auch der BUND fordern daher eine Anpassung der Genehmigungen an die klimatischen Realitäten. Beide Verbände rechnen mit deutlich längeren Füllzeiten als bisher kalkuliert.

Deutschlands tiefster See soll bis 2070 entstehen

Nach offiziellen Plänen startet die Flutung des Tagebaus Hambach im Jahr 2030, während Garzweiler ab 2036 folgen soll. Für Letzteren sind großflächige Uferzonen, Häfen und sogar eine künstliche Insel vorgesehen.

Zusammen mit dem Indesee sollen die Gewässer bis etwa 2070 das sogenannte „Rheinische Seenland“ formen. Mit einer maximalen Tiefe von bis zu 400 Metern würde der Hambachsee den Bodensee als tiefstes Gewässer Deutschlands ablösen.

Energiekonzern RWE setzt auf den Freizeitwert und neue Arbeitsplätze durch den Wandel der Industrielandschaft. Ob sich das gewaltige Vorhaben jedoch innerhalb der nächsten 45 Jahre vollenden lässt, bleibt angesichts der klimatischen Rahmenbedingungen ungewiss.