Bis zu 540 Euro Zulage ab 2027: So funktioniert das neue AV-Depot
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Das neue Altersvorsorgedepot soll ab 2027 die private Rentenvorsorge reformieren.
Die private Altersvorsorge in Deutschland steht vor einem grundlegenden Umbruch. Ab dem Jahr 2027 soll das neu konzipierte Altersvorsorgedepot (AV-Depot) die oft kritisierte Riester-Rente ablösen und Sparern renditestärkere Möglichkeiten am Kapitalmarkt eröffnen.
Während klassische Riester-Verträge vor allem durch hohe Verwaltungskosten und geringe Renditen auffielen, setzt das neue Modell auf staatliche Zulagen in Kombination mit breit gestreuten Wertpapieranlagen.
AV-Depot-Rechner von Finanzfluss.
Investitionsregeln und Aufbau des AV-Depots
Das AV-Depot ist eine steuerlich begünstigte und staatlich geförderte Vorsorgeform. Die angebotenen Verträge werden künftig vom Bundeszentralamt für Steuern zertifiziert.
Die Anlagemöglichkeiten unterliegen einer Positivliste. Zugelassen sind vor allem breit gestreute Aktien- und Rentenfonds sowie ETFs.
Einzelaktien, wie etwa Wertpapiere einzelner Tech-Konzerne, oder Krypto-Assets wie Bitcoin sind im Rahmen des geförderten AV-Depots ausgeschlossen.
Staatliche Förderungen und Bonuszahlungen
Der Staat bezuschusst Einzahlungen gestaffelt über eine Grundzulage. Auf eigene Beiträge bis 360 Euro gibt es 50 Prozent Förderung, für Beiträge zwischen 360 und 1.800 Euro fließen 25 Prozent. Daraus ergibt sich eine maximale Grundzulage von 540 Euro pro Jahr.
Zusätzlich erhalten Sparer pro Kind eine jährliche Kinderzulage von bis zu 300 Euro. Junge Erwachsene unter 25 Jahren profitieren zudem von einem einmaligen Berufseinsteigerbonus in Höhe von 200 Euro.
Ergänzung durch die Frühstart-Rente
Für Kinder führt der Gesetzgeber parallel die sogenannte Frühstart-Rente ein. Ab dem 6. bis zum 18. Lebensjahr zahlt der Staat monatlich 10 Euro in ein Standarddepot ein, das mit Erreichen der Volljährigkeit in ein reguläres AV-Depot überführt werden kann.
Kostenstruktur und steuerliche Behandlung
Jeder Anbieter ist gesetzlich verpflichtet, ein standardisiertes Basisprodukt mit zwei Fonds unterschiedlicher Risikoklassen bereitzustellen. Für dieses Standarddepot gilt ein Kostendeckel von maximal 1 Prozent pro Jahr, wobei Neobroker bereits kostenfreie Varianten ankündigen.

In der Ansparphase bleiben alle realisierten Erträge und Gewinne steuerfrei. Die Einzahlungen und Zulagen können als Sonderausgaben geltend gemacht werden, während die Auszahlungen im Alter nachgelagert besteuert werden.
Eine Frau zählt Geldscheine.
Garantien, Berechtigte und Anbieter
Im Standardmodell gibt es keine Beitragsgarantie, um die Renditechancen am Aktienmarkt voll auszuschöpfen. Sicherheitsorientierte Anleger können jedoch Verträge mit 80 oder 100 Prozent Beitragsgarantie wählen.
Der Kreis der Förderberechtigten erweitert sich deutlich: Neben Angestellten und Beamten erhalten künftig auch bestimmte Selbstständige sowie Personen in Kindererziehungszeiten Zugang zu den Verträgen.
Als Anbieter treten regulierte Finanzinstitute auf, darunter Banken, Fondsgesellschaften, Versicherer und Neobroker.
Renten im europäischen Vergleich.
Regelungen zur Auszahlung und Riester-Wechsel
Die Auszahlungsphase beginnt frühestens ab dem 65. und spätestens mit dem 70. Lebensjahr. Sparer haben die Wahl zwischen einer lebenslangen monatlichen Rentenzahlung und einem Auszahlungsplan, der mindestens bis zum 85. Lebensjahr reicht.
Wer vorzeitig Kapital entnimmt, verliert die Förderungen und muss erhaltene Zulagen sowie Steuervorteile zurückzahlen. Ausnahmen gelten für die Eigenheimfinanzierung oder bei vorzeitigem regulärem Rentenbezug.
Bestehende Riester-Verträge verfallen Ende 2026 nicht und können unverändert weitergeführt werden. Ein Wechsel in das neue System soll formlos möglich sein, wobei das angesparte Riester-Guthaben komplett übertragen werden kann.



