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Bis zu 9 Jahre Wartezeit umgangen: Wie eine Überkreuz-Nierenspende Andrea Riehle rettete

Bis zu 9 Jahre Wartezeit umgangen: Wie eine Überkreuz-Nierenspende Andrea Riehle rettete Aktuelle News

Bis zu 9 Jahre Wartezeit umgangen: Wie eine Überkreuz-Nierenspende Andrea Riehle rettete

Ein plötzlicher Befund veränderte 2021 das Leben von Andrea Riehle aus Villingen-Schwenningen schlagartig. Die Diagnose lautete Goodpasture-Syndrom, eine aggressive Autoimmunerkrankung, die innerhalb kürzester Zeit zum vollständigen Nierenversagen führte.

Für die damals 61-Jährige bedeutete das den sofortigen Beginn einer intensiven Dialysetherapie. Dreimal pro Woche verbrachte sie vier bis fünf Stunden am Gerät, gefolgt von ständiger Erschöpfung.

Lange Wartezeiten auf Spenderorgane

In Deutschland müssen Patienten je nach Blutgruppe und Region zwischen sechs und neun Jahren auf eine Spenderniere warten, mitunter sogar mehr als ein Jahrzehnt. Andrea Riehles Ehemann Edgar bot sofort eine Lebendspende an, kam jedoch aufgrund fehlender medizinischer Übereinstimmung nicht infrage.

Bei der Crossover-Nierenspende spenden zwei Paare sich gegenseitig eine Niere.
Bei der Crossover-Nierenspende spenden zwei Paare sich gegenseitig eine Niere.

Auf der Suche nach Alternativen stieß Edgar Riehle auf den Verein „Gegen den Tod auf der Organwarteliste“. Die Organisation vermittelt sogenannte Crossover- oder Überkreuzspenden für Paare in ähnlichen Situationen.

Das Prinzip der Crossover-Spende

Das Konzept basiert auf einem Ringtausch: Kann ein Angehöriger dem Partner aus immunologischen Gründen keine Niere spenden, wird ein zweites Paar mit demselben Problem gesucht. Stimmen die Werte über Kreuz überein, spendet jeweils ein Partner dem Empfänger des anderen Paares.

Gegründet wurde der Verein von Susanne Reitmaier aus Wolfsburg. Nachdem eine erste Spenderniere ihres Vaters nach 15 Jahren versagte, erhielt Reitmaiers Tochter ein passendes Organ über eine Überkreuzspende in Spanien, wo dieses Verfahren längst etabliert war.

Rückschläge und die Freigabe durch die Ethikkommission

Für Familie Riehle verlief die Suche nicht ohne Hindernisse. Ein erster Matchversuch scheiterte bei Folgeuntersuchungen an der Uniklinik an der Inkompatibilität der Gewebemerkmale.

Erst 2023 fand sich ein zweites Paar, bei dem sämtliche medizinischen Parameter passten. Zu diesem Zeitpunkt befand sich der Eingriff in Deutschland in einem stark regulierten rechtlichen Graubereich, der strenge Prüfungen und die ausdrückliche Zustimmung einer Ethikkommission erforderte.

Eine Frau liegt in einem Krankenhausbett, daneben steht ein Mann mit Vollbart. Beide strecken ihre Daumen nach oben.
Eine Frau liegt in einem Krankenhausbett, daneben steht ein Mann mit Vollbart. Beide strecken ihre Daumen nach oben.

Simultaner Eingriff an der Universitätsklinik Freiburg

Nach der ethischen Freigabe erfolgte die Operation an der Uniklinik Freiburg unter hohem logistischen Aufwand. Vier Personen wurden zeitgleich in zwei benachbarten Operationssälen von zwei separaten Teams operiert, um einen Rücktritt einzelner Beteiligter während des Prozesses auszuschließen.

Andrea Riehle erhielt die Niere des fremden Spenders, während ihr Ehemann Edgar zeitgleich dessen Partnerin ein Organ spendete. Die geschädigten Originalorgane verblieben im Körper.

Gesetzliche Neuregelung und Perspektiven

Die rechtliche Grundlage für Überkreuzspenden wurde in Deutschland mittlerweile angepasst, um das Verfahren offiziell zu ermöglichen. Künftige Spenden dieser Art sollen anonymisiert ablaufen, analog zur postmortalen Organspende.

Bis die staatlichen Datenbanken und standardisierten Abläufe vollständig greifen, führt Susanne Reitmaiers Verein die private Vermittlung fort. Derzeit stehen dort rund 50 Paare auf der Warteliste.