Börsenstrom bei minus 50 Cent: Wie E-Auto-Fahrer beim Laden Geld verdienen
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Balkonkraftwerke und dynamische Stromtarife verändern das Verbrauchsverhalten privater Haushalte.
Das Elektroauto an die heimische Wallbox anschließen und für den bezogenen Strom bezahlt werden: Was nach einem Paradoxon klingt, passierte am 1. Mai in der Praxis. Der YouTuber Teslatim dokumentierte in einem Video, wie ein Nachbar dank eines dynamischen Stromtarifs sein Fahrzeug ohne Kosten lud und gleichzeitig daran verdiente.
Möglich machen das dynamische Tarife, die den Einkaufspreis direkt an die Strombörse koppeln. Fällt der Börsenpreis stark genug in den negativen Bereich, schlägt das bis auf die Endabrechnung des Verbrauchers durch.
Warum Strom an der Börse ins Minus rutscht
Negative Strompreise entstehen bei einem extremen Ungleichgewicht: Photovoltaik- und Windkraftanlagen speisen gewaltige Strommengen ins Netz ein, während die Nachfrage etwa durch geschlossene Fabriken an Feiertagen und Wochenenden massiv einbricht.
Laut Daten der Bundesnetzagentur müssen alle Energieversorger seit 2025 dynamische Tarife bereitstellen. Voraussetzung für Haushalte ist ein intelligentes Messsystem (Smart Meter), das den Verbrauch exakt viertelstundengenau erfasst und abrechnet.
Kleines Kraftwerk Quattro
Die Hürde bei negativen Endkundenpreisen
Ein negativer Großhandelspreis bedeutet nicht automatisch kostenlosen Strom aus der Steckdose. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass Netzentgelte, Steuern, staatliche Umlagen und Aufschläge des Versorgers auch bei fallenden Großhandelspreisen voll anfallen.

Feste Preisbestandteile erfordern tiefe Börsenkurse
Laut Berechnungen von Finanztip summieren sich diese fixen Kostenbestandteile auf durchschnittlich rund 16 Cent pro Kilowattstunde. Ein dynamischer Tarif zahlt sich für den Endkunden erst aus, wenn der Großhandelspreis dieses Minus von 16 Cent unterschreitet.
Am 1. Mai war dieses Kriterium erfüllt: Zwischen 13:00 und 14:30 Uhr sackte der Börsenstrompreis laut Marktdaten auf bis zu minus 50 Cent pro Kilowattstunde ab. Trotz aller Steuern und Entgelte resultierte dies in einem deutlich negativen Gesamtpreis für den Endverbraucher.
Große Akkus und 11 kW Ladeleistung
Besonders Elektroautos eignen sich für diese Preisfenster. Bei einer Standard-Ladeleistung von 11 kW wandern innerhalb kurzer Zeit erhebliche Strommengen in den Akku.
Wer über ein passendes Messsystem verfügt und den Ladevorgang automatisiert in die günstigsten Zeitfenster legt, verwandelt das Fahrzeug in einen flexiblen Abnehmer für überschüssigen Grünstrom. Klassische Festpreisverträge bleiben von solchen Schwankungen hingegen unberührt.

