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Brauerei-Chef fordert 10 Euro Kastenpfand: Warum das Leergut im Sommer knapp wird

Brauerei-Chef fordert 10 Euro Kastenpfand: Warum das Leergut im Sommer knapp wird Aktuelle News

Brauerei-Chef fordert 10 Euro Kastenpfand: Warum das Leergut im Sommer knapp wird

Hohe Temperaturen treiben den Getränkekonsum in die Höhe und bringen das Mehrwegsystem an seine Grenzen. In Getränkemärkten und Abfüllbetrieben führt der saisonale Ansturm regelmäßig zu Engpässen beim Leergut.

Um den Rücklauf leerer Flaschen und Kisten drastisch zu beschleunigen, schlägt Michael Leibinger, Chef der gleichnamigen Ravensburger Brauerei, eine deutliche Erhöhung des Flaschen- und Kastenpfands auf zehn Euro vor.

Bis zu 15 Prozent mehr Absatz bei Wasser und Erfrischungsgetränken

Getränkehändler registrieren in den Sommermonaten deutliche Zuwächse. Dietmar Pohl, Inhaber eines Getränkehandels mit Standorten in Berg und Fenken, kalkuliert mit rund 15 Prozent mehr Absatz gegenüber dem Vorjahr, wobei jährlich rund 1,5 Millionen Einheiten Mineralwasser seine Lager verlassen.

Auch Florian Moser vom gleichnamigen Getränkehandel in Friedrichshafen beziffert das Plus bei Mineralwasser auf etwa 15 Prozent. Wasser macht bei ihm derzeit 35 Prozent des gesamten Bestellvolumens aus.

Hersteller reagieren mit Sondermaßnahmen auf die Nachfrage. Der Bad Dürrheimer Mineralbrunnen stellte die Produktion von einem Zwei- auf ein Drei-Schicht-System um, führte Samstagsschichten ein und verlängerte die tägliche Arbeitszeit auf neun Stunden. Zurückgegebenes Leergut wird dort an Spitzentagen direkt von den anliefernden Lastwagen zur Abfüllanlage transportiert, anstatt wie im Winter wochenlang zwischenzulagern.

Hohe Anschaffungskosten belasten Keltereien und Brauereien

Besonders regionale Betriebe sind auf einen schnellen Rücklauf angewiesen. Willi Jehle, Geschäftsführer der Kelterei Schlenkerhof in Alberskirch, verweist auf die Diskrepanz zwischen Pfand und tatsächlichem Materialwert: Während ein Saftkasten mit 2,40 Euro bepfandet ist, kostet die Neuanschaffung bis zu sieben Euro.

Hinzu kommen lange Lieferzeiten bei den Kistenherstellern, die kurzfristige Nachkäufe unmöglich machen. Werden Gebinde zudem in Geschäften abgegeben, die das jeweilige Produkt nicht führen, verzögert sich der Rücktransport zu den regionalen Abfüllern zusätzlich.

Erschwert wird die Wiederaufbereitung durch Verunreinigungen. Ausgedrückte Zigarettenkippen oder aufgelöste Papierstrohhalme in den Flaschen erfordern in den Waschanlagen der Betriebe einen erheblichen Mehraufwand.

Vorlaufzeiten in der Bierproduktion

Bei der Brauerei Leibinger verlassen an einem Abfülltag 90.000 Flaschen das Werk. Geschäftsführer Michael Leibinger betont das Verhältnis des Umlaufs: Für jeden verkauften Kasten befinden sich drei weitere im Umlauf – beim Händler, beim Endkunden oder auf Transportwegen.

Kurzfristig lässt sich der Ausstoß kaum anpassen, da die Produktionsplanung auf den Absatzzahlen der Vorjahre basiert. Bier, das im Juli in den Verkauf geht, wird bereits Ende April oder Anfang Mai eingebraut.

Zehn Euro Pfand als Anreiz für schnellere Rückgabe

Neue Kisten schlagen je nach Material und Ausführung mit sechs bis acht Euro zu Buche, während einzelne Glasflaschen im Schnitt 20 Cent in der Beschaffung kosten. Das derzeitige Pfandsystem setzt aus Sicht der Hersteller zu geringe finanzielle Anreize für eine zügige Rückgabe.

Ein Pfandbetrag von zehn Euro pro Kiste würde nach Ansicht von Leibinger dafür sorgen, dass Leergut nicht monatelang in Kellern verbleibt, sondern zeitnah wieder in den Wirtschaftskreislauf zurückkehrt.