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Die Entzauberung von Hormus: Warum die USA die Ölroute für „irrelevant“ erklären

Ein Tankschiff in der strategisch wichtigen Meerenge von Hormus. Spannende Geschichten

Die Straße von Hormus gilt seit Jahrzehnten als einer der kritischsten Punkte der Weltwirtschaft.

  • Im Video oben: Straße von Hormus: USA erklären wichtige Ölroute plötzlich für „irrelevant“

Die Straße von Hormus ist ein Nadelöhr der Weltwirtschaft. Doch Washington vollzieht derzeit eine bemerkenswerte Kehrtwende in seiner Rhetorik. US-Finanzminister Scott Bessent erklärte jüngst gegenüber 12News, dass die Meerenge in den kommenden zwei Jahren „irrelevant“ werde. Sie werde zu einem gewöhnlichen Gewässer degradieren, so Bessent.

Hinter dieser Einschätzung steckt die Erwartung, dass ein Großteil der heutigen Öltransporte künftig über neue unterirdische Pipelines abgewickelt wird.

Ein Signal an Teheran

Die Aussage fällt in eine Phase erhöhter Spannungen. Der Iran nutzt die Blockade der Route weiterhin als Verhandlungsmasse gegenüber dem Westen. Bessents demonstrative Gelassenheit ist daher als gezielter Versuch zu werten, diesen diplomatischen Trumpf des Iran rhetorisch zu entwerten.

Der Kurswechsel steht in scharfem Kontrast zu früheren Äußerungen. Noch im März betonte Bessent bei Fox News, die USA würden die Kontrolle über die Meerenge notfalls mit militärischer Gewalt sicherstellen. Heute scheint das Ziel nicht mehr die totale Kontrolle, sondern die strategische Entwertung des Gebiets zu sein.

USA: Energie-Unabhängigkeit als Schutzschild

Washington kann sich diesen Kurswechsel leisten, da die Abhängigkeit der USA von Importen aus dem Persischen Golf massiv gesunken ist. Im Jahr 2025 stammten nur etwa zwei Prozent des US-Ölverbrauchs aus dieser Region.

Die Gründe liegen in der eigenen Förderung und engen Handelsbeziehungen:

Die Entzauberung von Hormus: Warum die USA die Ölroute für „irrelevant“ erklären
  • Heimische Produktion: Die USA förderten 2025 mit 13,6 Millionen Barrel pro Tag so viel Öl wie noch nie zuvor.
  • Dominanz Nordamerikas: Fast zwei Drittel der US-Ölimporte kommen mittlerweile aus Kanada.
  • LNG-Exporteur: Bei Erdgas sind die USA längst selbst zum bedeutenden globalen Versorger aufgestiegen und vom Golf weitgehend unabhängig.

Das Risiko liegt in Asien

Während die USA ihr Risiko minimiert haben, bleibt die Situation für Asien prekär. Im ersten Halbjahr 2025 flossen 89 Prozent des durch Hormus transportierten Öls nach Asien – angeführt von China, Indien, Japan und Südkorea.

Washington scheint die Botschaft zu senden, dass die alleinige Last des militärischen Schutzes dieser Route nicht mehr dauerhaft bei den USA liegen sollte. Für Teheran bedeutet dies: Das Druckmittel „Hormus“ verliert gegenüber Washington an Schlagkraft, bleibt aber eine existenzielle Bedrohung für asiatische Volkswirtschaften.

Der Haken: Infrastruktur fehlt

Trotz der ambitionierten Pläne gibt es erhebliche Zweifel an Bessents Zeitplan. Zwar bauen die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien ihre Pipeline-Kapazitäten aus, um den Golf zu umgehen, doch die Zahlen klaffen auseinander.

Während täglich rund 20 Millionen Barrel Öl durch Hormus fließen, beziffert die Internationale Energieagentur die Kapazität der derzeit verfügbaren Umgehungswege auf lediglich 3,5 bis 5,5 Millionen Barrel. Ein vollständiger Ersatz innerhalb von zwei Jahren gilt unter Experten als extrem ehrgeizig.

Besonders kritisch ist die Lage beim Flüssigerdgas (LNG). Für die gigantischen Mengen, die etwa aus Katar stammen, gibt es bislang schlichtweg keine funktionierende Alternative außerhalb der Meerenge.