Die Invasion der „Tapinoma magnum“: Deutschlands größte Ameisen-Kolonie in Karlsruhe außer Kontrolle
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Die bundesweit größte Kolonie der invasiven Ameise "Tapinoma magnum" findet sich im Karlsruher Stadtteil Neureut.
Invasive Ameisen sind längst kein lokales Randphänomen mehr. Rund 60 Kommunen in Baden-Württemberg melden mittlerweile Befall durch fremde Arten. Am stärksten betroffen ist der Karlsruher Stadtteil Neureut: Hier hat sich die invasive „Tapinoma magnum“ – auch als Große Drüsenameise bekannt – auf einer Fläche von etwa 80 Hektar festgesetzt.
Eine hartnäckige Plage
Karin Eßrich vom städtischen Gartenbauamt koordiniert den Kampf gegen die Insekten. Ihr Team kartiert den Befall in Neureut kontinuierlich, doch die Ausbreitung ist massiv. Mindestens 26 Straßen und öffentliche Plätze sind derzeit betroffen, und die Meldungen über neue Satellitenkolonien nehmen kein Ende.
Eßrich ordnet die Situation unmissverständlich ein: „Hier in Neureut haben wir wahrscheinlich die größte Kolonie. Ich kenne keine größere in der ganzen Bundesrepublik.“ Experten gehen davon aus, dass die Tiere bereits seit mehreren Jahren unbemerkt existieren, bevor sie die aktuelle, enorme Größe erreichten.
Der Alltag mit den Ameisen
Für Anwohner wie Lars Conzelmann ist die Situation psychisch und physisch belastend. Ein kurzzeitig abgestellter Müllbeutel reicht aus, um eine Invasion in die eigenen vier Wände auszulösen. Die Insekten dringen in Wohnräume ein, unterhöhlen Gehwege und machen Gartennutzung schwierig. Die betroffenen Anwohner haben sich in sozialen Netzwerken organisiert, um Strategien gegen die Plage zu entwickeln.

Bekämpfung durch Hitze
Die Stadt setzt seit diesem Jahr auf ein giftfreies Verfahren: Heißwasser-Dampf. Ein Gerät erzeugt 130 Grad heißen Dampf, der mit drei Bar Druck entweder oberflächlich oder per Lanze direkt in den Boden injiziert wird. Die Methode tötet die Tiere effektiv ab, bietet jedoch kein Allheilmittel gegen die riesige Population.
Der „Martens-Trick“
Eine innovative Lösung kommt von dem Biologieprofessor Andreas Martens. Er nutzt einfache Hohlblocksteine und Kunststofffolien als Fallen. Da die Ameisen bei Regen oder Feuchtigkeit ihre Brut in trockene Hohlräume bringen, lockt der Lochstein die Königinnen und ihre Nachkommen gezielt an.
„Ich konnte jedes Mal die Brut um mehrere tausend Tiere reduzieren“, erklärt Martens. Da Tapinoma magnum im Gegensatz zu heimischen Arten tausende Königinnen besitzt, ist das Ziel, die Kolonie systematisch zu dezimieren. Eßrich betont, dass ein langfristiger Erfolg nur durch die enge Zusammenarbeit zwischen Stadtverwaltung und den betroffenen privaten Grundstückseigentümern möglich ist.
