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Die tickende Zeitbombe: Warum das schmelzende Permafrost-Eis zum globalen Klimarisiko wird

Gustaf Hugelius, Professor am Bolin Centre for Climate Research. Aktuelle News

Gustaf Hugelius vom Bolin Centre for Climate Research in Stockholm.

Hitzewellen und Waldbrände zerstören nicht nur Wälder; sie beschleunigen das Auftauen der weltweiten Permafrostböden. Diese Regionen enthalten dreimal mehr Kohlenstoff als die gesamte lebende Vegetation der Erde. Gustaf Hugelius, Professor am Bolin Centre for Climate Research an der Universität Stockholm, warnt eindringlich vor den Folgen dieser Entwicklung.

Was genau ist Permafrost?

Als Permafrost werden Böden bezeichnet, die das ganze Jahr über gefroren sind. Sie erstrecken sich über rund 20 Millionen Quadratkilometer – eine Fläche fünfmal so groß wie die EU. Betroffen sind vor allem Sibirien, Kanada, Alaska und Teile Europas.

Warum ist das Auftauen ein Klimaproblem?

Im Permafrost lagern schätzungsweise 1.500 Gigatonnen Kohlenstoff. Schon geringfügige Veränderungen in diesem empfindlichen System haben massive Auswirkungen auf die Erdatmosphäre.

Über Jahrtausende hinweg waren pflanzliche Überreste dort eingefroren. Durch die globale Erwärmung – verursacht durch das Verbrennen fossiler Energieträger – tauen diese Böden auf. Mikroben zersetzen das organische Material und setzen dabei CO2 und Methan frei, was die Erwärmung weiter antreibt. Ein gefährlicher, sich selbst verstärkender Kreislauf.

Gibt es einen Weg zurück?

Ein einfaches Wiedereinfrieren ist kaum möglich. Wenn das Eis im Boden schmilzt, sackt die Oberfläche ab, es entstehen Seen, Feuchtgebiete oder neue Flussläufe – sogenannte Thermokarste. Diese veränderten Landschaften haben eine völlig andere Thermik. Ist dieser Punkt erst einmal überschritten, bleibt das System für Jahrhunderte gestört und stößt kontinuierlich Kohlenstoff aus.

Ilustrations of thermokarsts
Darstellungen der durch das Tauen verursachten Thermokarst-Landschaften.

Droht ein plötzlicher systemweiter Kollaps?

Auf globaler Ebene ist dies bei der derzeitigen Erwärmung unwahrscheinlich. Dennoch sind lokale Kipppunkte bereits erreicht. Bis zum Ende des Jahrhunderts wird der Permafrost zu einer bedeutenden, eigenständigen Emissionsquelle.

Sollte die Welt bis 2100 um 1,8 °C bis 3,6 °C wärmer werden, könnten 200 bis 300 Gigatonnen CO2-Äquivalente freiwerden. In Extremszenarien könnte der Ausstoß Größenordnungen erreichen, die den heutigen Emissionen ganzer Nationen wie den USA oder China entsprechen.

Methan oder CO2: Was ist gefährlicher?

Methane ist kurzfristig etwa 30-mal wirksamer als Treibhausgas, baut sich aber nach 10 bis 15 Jahren ab. CO2 ist zwar weniger potent, verbleibt jedoch über Jahrhunderte in der Atmosphäre. Ob mehr Methan oder CO2 freigesetzt wird, hängt davon ab, ob der Boden beim Tauen eher trocken bleibt oder vernässt.

Bereits besiegelte Verluste

Aufgrund von Zeitverzögerungen bei der Erwärmung des Bodens sind einige Gebiete, etwa in Nordschweden und Finnland, bereits verloren. Ein Großteil der sibirischen und kanadischen Permafrostböden könnte jedoch erhalten bleiben, wenn die globalen Klimaziele konsequent umgesetzt werden.

Researchers insert measuring instruments into the ground
Forschende bei der Arbeit, um Messinstrumente in den Boden einzubringen.

Wirtschaftliche Schäden und notwendiges Handeln

Wirtschaftliche Vorteile durch erschlossene Flächen sind minimal im Vergleich zu den massiven Kosten, die durch instabile Infrastruktur entstehen. Besonders in Russland, wo ein Großteil der Öl- und Gasförderung auf Permafrostboden basiert, drohen schwere Einbußen.

Es gibt keine technologische Lösung (Geoengineering), um das Schmelzen großflächig zu stoppen. Der einzige Weg ist eine drastische Reduktion der globalen Treibhausgasemissionen. Jedes vermiedene Grad Erwärmung schützt Millionen Quadratkilometer Permafrost vor dem Auftauen.

Für Hugelius bleibt eine bittere Erkenntnis: Die Schäden, die wir heute verursachen, werden fünf bis zehn Generationen nach uns noch belasten. Die wissenschaftliche Beweislage ist eindeutig – was fehlt, ist das entschlossene Handeln.