Die Wächter der Flüsse: Der unermüdliche Kampf gegen invasive Arten
Ratgeber & Tipps
Nico Struyven bei der Bekämpfung invasiver Pflanzen in der Demer.
Das Kanu gleitet lautlos über das Wasser. Nico Struyven (52) legt das Paddel beiseite, scannt das Ufer und deutet auf eine unscheinbare grüne Masse. Kurz darauf steht er hüfttief in der Demer und zieht ein massives Bündel Großer Wassernabel aus dem Schlamm. „Hier fängt es an“, sagt er. „Wer das ignoriert, riskiert, dass der Wasserlauf komplett zuwuchert.“
Struyven weiß, wovon er spricht. Seit drei Jahrzehnten arbeitet er für die Flämische Umweltgesellschaft (VMM). Mit seinem Team hält er die Wasserwege in Limburg und Teilen von Flämisch-Brabant frei von invasiven Pflanzen sowie Bisam- und Nutrias.
Der Kampf gegen die grüne Übermacht
An diesem Tag ist er gemeinsam mit seinem Kollegen Pieter Cools (37) auf der Demer unterwegs. Ihr Ziel ist der Große Wassernabel – eine invasive Art, die in kürzester Zeit ganze Wasserläufe ersticken kann. „Das ist eine der wichtigsten Arten, die wir bekämpfen“, erklärt Struyven. „Zusammen mit der Wasser-Heuschnupfen-Art und dem Tausendblatt sind das Pflanzen, die hier nicht hingehören und sich extrem aggressiv ausbreiten.“
Physisch anspruchsvoller Einsatz
Der Arbeitstag richtet sich nach dem Kalender. Im Sommer bestimmen die Pflanzen das Geschehen. Oft beginnt der Dienst bereits um 6 Uhr morgens. „Wir knien stundenlang im Schlamm trockengefallener Bäche, um die Pflanzen von Hand zu entfernen“, sagt Struyven. „Es ist körperlich hart, aber man ist den ganzen Tag draußen. Das Team und die Arbeit in der Natur machen das wett.“
Das Kanu ist dabei kein Luxus, sondern ein notwendiges Werkzeug. Es ermöglicht den Zugang zu Stellen, die vom Ufer aus unerreichbar wären. Zudem bietet die Perspektive vom Wasser aus einen entscheidenden Vorteil: „Vom Kanu aus sieht man den Befall deutlich schneller. Es ist die effizienteste Methode, um die Gewässer zu kontrollieren.“
Spurensuche: Der Rattenfänger
In den Winter- und Frühlingsmonaten verlagert sich der Fokus auf die Jagd nach Bisam- und Nutrias. Es ist eine Arbeit, die präzise Beobachtung erfordert. Anstatt wahllos Fallen aufzustellen, suchen die Experten die Ufer nach Fraßspuren, Kot und Eingängen zu Bauten ab. Sobald Spuren gefunden werden, platzieren sie gezielt Fallen oder Reusen.
Struyven sieht die Rattenbekämpfung als deutlich intensivere Aufgabe als die Pflanzenpflege. „Bei den Pflanzen ist das Problem offensichtlich. Bei den Tieren muss man den ganzen Tag konzentriert bleiben und kleinste Signale interpretieren. Im Herzen bin ich immer noch ein Rattenfänger“, gesteht er.

Dass er einmal diesen Beruf ergreifen würde, hätte er als gelernter Karosseriebauer nie gedacht. „Ich wusste damals nicht einmal, was eine Bisamratte ist. Ich habe mich beworben und bin einfach geblieben.“
Erfolge im Naturschutz
Vor 30 Jahren war die Situation dramatisch. Damals wurden in Flandern jährlich bis zu 40.000 Bisamratten gefangen. Heute sind es in einem guten Jahr etwa 4.000 Exemplare. Dieser Rückgang beweist, dass die Arbeit des Teams Früchte trägt.
„Wenn man sieht, dass ein Wasserlauf offen bleibt, invasive Arten unter Kontrolle geraten und die Natur wieder Chancen bekommt, dann weiß man, warum man das macht.“
Die Arbeit hat sich jedoch verändert. Durch die verbesserte Wasserqualität wächst heute mehr Vegetation. Das ist ein Erfolg für die Natur, macht das Auffinden der Nagetiere aber schwieriger, da diese im Wasser reichlich Nahrung finden und sich besser verstecken können.
Eine Berufung
Während Struyven und Cools weiterarbeiten, bleiben immer wieder Spaziergänger stehen. Die Reaktionen sind heute meist positiv, so der 52-Jährige. „Früher gab es oft Kritik, weil die Leute nicht wussten, was wir tun. Heute erklären wir es gerne. Wir sorgen dafür, dass unsere Flüsse gesund bleiben.“
„Dies ist mein Traumjob“, lächelt Struyven. „Kein Tag ist wie der andere, und man kommt an Orte, die kaum jemand zu Gesicht bekommt. Wenn man nach 30 Jahren immer noch mit dieser Leidenschaft dabei ist, dann sagt das wohl alles.“
