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DWD warnt vor marinen Hitzewellen: Bis zu 4 Grad zu warmes Meer droht Herbstwetter anzuheizen

Ein Gewitterbild von NRW mit einer Karte der Meeresoberflächentemperatur Aktuelle News

Ungewöhnlich warme Meeresoberflächen fungieren als gewaltiger Energiespeicher für kommende Tiefdruckgebiete.

Ein Gewitterbild von NRW mit einer Karte, die die Meeresoberflächentemperatur
Ein Gewitter über NRW mit einer Temperaturkarte der Meeresoberflächen

Während sich das Festland nach den Sommermonaten allmählich abkühlt, halten die europäischen Meere enorme Wärmemengen fest. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) weist auf die Risiken sogenannter mariner Hitzewellen hin, die den Herbst in Deutschland und Teilen Mitteleuropas maßgeblich beeinflussen könnten.

Bis zu 4 Grad über dem Durchschnitt: Die Meere als Hitzespeicher

Nicht nur an Land brachte der Sommer hohe Temperaturen. Auch Nordsee, Ostsee und vor allem das Mittelmeer weisen derzeit Werte auf, die deutlich über dem langjährigen Schnitt liegen.

Nach Angaben des DWD liegen die Wassertemperaturen im Südwesten der Nordsee, im Ärmelkanal, in der Biskaya sowie im westlichen Mittelmeer stellenweise um 2 bis 4 Grad über den typischen Normalwerten. An den deutschen Nordseeküsten werden weiterhin Messwerte um die 20 Grad registriert.

Da Wasser thermische Energie wesentlich länger speichert als feste Landmassen, bleibt dieses Potenzial über Wochen hinweg im Meer gebunden.

DWD-Meteorologe sieht vollen „Akku“ in der Atmosphäre

Fünf Passanten überqueren in strömendem Regen die Straße
Passanten überqueren bei Starkregen eine Straße

DWD-Meteorologe Thore Hansen vergleicht die erhitzten Meeresflächen mit einem besonders voll geladenen Energiespeicher. Bei der Abkühlung des Wassers steigen große Mengen Wasserdampf in die Atmosphäre auf.

„Diese Energieabgabe tritt zwar jedes Jahr auf, dieses Jahr ist der Akku aber besonders voll“, erklärt Hansen. Dieser Prozess liefere heranziehenden Tiefdruckgebieten zusätzlichen Antrieb.

Mögliche Auswirkungen auf Deutschland und NRW

Zwar garantiert die Meereswärme nicht zwangsläufig unmittelbare Unwetterlagen, sie erhöht jedoch die Wahrscheinlichkeit für intensive Niederschläge bei Tiefdruckdurchgängen und Gewittern. Über großräumige Strömungen gelangt feuchtwarme Luftmasse weit nach Norden und kann sich auch über Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen abregnen.

Eine punktgenaue Wettervorhersage für die kommenden Herbstmonate lässt sich aus dem Phänomen nicht ableiten, das Gefahrenpotenzial für Starkregenereignisse steigt jedoch messbar.

Medicanes und erhöhte Windgeschwindigkeiten

Besonders extrem gestaltet sich die Lage im Mittelmeerraum, wo das Wasser bereits seit Ende Mai durchgehend überdurchschnittlich warm ist. Die aufgebaute Energie entlädt sich erfahrungsgemäß bei passenden Wetterkonstellationen.

Neben heftigen Regenfällen begünstigt diese thermische Dynamik das Entstehen von Medicanes – wirbelsturmähnlichen Tiefdrucksystemen im Mittelmeer – sowie überdurchschnittlich hohe Windgeschwindigkeiten.